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ADHS

Das Zappelphilipp-Syndrom – medizinisch als Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bezeichnet – ist eine ernst zu nehmende folgenschwere Störung.

Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sind ihre Hauptmerkmale. Man vermutet heute, dass Hauptursachen für ADHS in Veränderungen der Funktionsweise des Gehirns zu suchen sind. Wird die Störung nicht behandelt, beeinträchtigt sie die schulische und berufliche Leistungsfähigkeit sowie soziale Kontakte.

Besonders schwer gestaltet sich die Diagnose der Krankheit, aufgrund der Vielschichtigkeit des Krankheitsbildes. Nicht immer sind alle Anzeichen der Störung vorhanden. Auch lassen sich die ADHS-Symptome meist nur schwer von altersgemäßen Verhaltensweisen abgrenzen. Deshalb kann eine sichere Diagnose nur durch spezialisierte Fachärzte und Psychologen erfolgen.

In Deutschland ist ADHS eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Experten schätzen die Anzahl der ADHS-Patienten in der Altersgruppe von 6-18 Jahren auf ungefähr 5%, das entspricht etwa 500.000 Betroffenen. Jungen sind vier Mal häufiger betroffen als Mädchen.

Autor: Marta Mustermann
Position: Psychologin
Aktualisiert: 29.04.2021

Inhaltsverzeichnis

Was ist ADHS?

Eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bzw. Aufmerksamkeitsstörung – auch als Zappelphilipp-Syndrom oder Hyperkinetisches Syndrom (HKS) bekannt – ist eine ernst zu nehmende Erkrankung.

Schon im Jahre 1845 beschrieb der Frankfurter Nervenarzt Dr. Heinrich Hoffmann Anzeichen einer ADHS in seinem weltbekannten Kinderbuch „Struwwelpeter“. Es handelt sich dementsprechend um keine „Modekrankheit“ oder falsche Erziehung, sondern um eine neurobiologische Funktionsstörung im Gehirn, die ADHS auslöst.

Kennzeichnend für ADHS sind Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwächen, impulsive Verhaltensweisen und ausgeprägten Unruhe. Betroffene fühlen sich häufig „getrieben“, treffen vorschnelle Entscheidungen oder setzen unbedacht Ideen um und können sich bei vielen Tätigkeiten schlecht konzentrieren, schweifen häufig ab und bringen begonnene Tätigkeiten nicht zu Ende. Dies führt häufig auch zu schulischen, beruflichen und sozialen Schwierigkeiten, die den Leidensdruck der Betroffenen erhöhen.

Vielfach werden die Verhaltensauffälligkeiten bei ADHS erst im Kindergarten oder in der Schule, wenn Kinder sich erstmals in äußere Strukturen einfinden müssen, besonders deutlich. Je nach Ausprägung wird die Störung auch oft erst noch später oder gar nicht diagnostiziert.

Dies kann fatale Folgen haben, denn im Erwachsenenalter haben sich die schädlichen Verhaltensweisen eingeprägt und es entstehen so ständige Schwierigkeiten bei der Organisation und Strukturierung im Alltag und Beruf sowie Probleme, eigene unangenehme Emotionen zu regulieren.

In Deutschland ist ADHS eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Experten schätzen die Anzahl der ADHS-Patienten in der Altersgruppe von 6-18 Jahren auf ungefähr 5%, das entspricht etwa 500.000 Betroffenen. Jungen sind vier Mal häufiger betroffen als Mädchen.

Die gute Nachricht ist, dass eine frühzeitige Abklärung, eine verständnisvolle gut informierte Umwelt und individuelle Therapiemaßnahmen helfen können, den betroffenen Kindern und Jugendlichen ein „normales“ Leben zu ermöglichen.

Symptome

Bei ADHS handelt es sich, um eine verringerte Selbststeuerungs- und Selbstkontrollfähigkeit, die sich durch drei Hauptsymptome kennzeichnet:

  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten
  • unüberlegte und impulsive Handlungen
  • körperliche Unruhe (Hyperaktivität), auffälliger Bewegungsdrang („Zappelphilipp-Syndrom“)

Allerdings müssen bei einem Betroffenen nicht alle Hauptsymptome gleich stark ausgeprägt sein. In manchen Fällen treten auch nicht alle Anzeichen auf, was wiederum die Diagnose erschwert.

ADHS gilt als angeborene Störung, die sich schon vor dem sechsten Lebensjahr bemerkbar macht. Die Erkrankung kann lange bestehen. Die ADHS-Symptome äußern sich allerdings bei Kindern (1), Jugendlichen (2) und Erwachsenen (3) unterschiedlich.
 
(1) Symptome bei Kindern
Im Kindesalter macht sich ADHS häufig durch erhöhte Ablenkbarkeit, Konzentrationsmangel, Abbruch von Tätigkeiten und Vermeiden von Anstrengung bemerkbar. Besonders stark ausgeprägt sind die Anzeichen, wenn sie sich unterordnen müssen, d.h. ihnen Aufgaben vorgegeben werden oder Regeln einzuhalten sind.

Im Folgenden zeigen wir Ihnen die häufigsten Symptome auf einen Blick:

  • Aufgaben schlecht strukturieren
  • Ordnen sich schlecht in eine Gemeinschaft ein und stören meist die geregelten Abläufe in Familie, Kindergarten und Schule.
  • Probleme, Mimik und Gestik ihres Gegenübers einzuschätzen.
  • Hohe Aggressivität
  • Heftige Stimmungsschwankungen
  • Distanzlosigkeit
  • Hohe Impulsivität
  • Geringe Frustrationstoleranz und Wutanfälle
  • Starker Bewegungsdrang, der sich in unkontrollierter motorischer Unruhe äußert
  • Große Schwierigkeiten still zu sitzen
  • Ungeschicklichkeit und häufige Unfälle beim Spielen
  • Geringes Selbstbewusstsein
  • Sie sprechen übermäßig viel und fallen anderen ins Wort.
  • Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche
  • Flüchtigkeitsfehler bei Hausaufgaben oder anderen Arbeiten

Die ADHS-Symptome erschweren es den Kindern, in der Schule mitzuhalten und soziale Kontakte zu knüpfen. Sie gelten als Außenseiter und Störenfriede, die sich nicht anpassen können.
 
(2) Symptome bei Jugendlichen
Bei Jugendlichen äußert sich ADHS vor allem in einer generellen Unaufmerksamkeit und einer „Null-Bock-Mentalität“. Sie verweigern oftmals erforderliche Leistungen und flüchten sich in eine aggressive Trotz-Haltung.

Jugendliche mit ADHS neigen zu risikoreichem Verhalten und fühlen sich häufig zu sozialen Randgruppen hingezogen. Viele leiden unter einem geringen Selbstbewusstsein, manche erleben starke Ängste und auch Depressionen.

Allerdings gibt es auch Jugendliche, bei denen sich die Symptome verbessern, sodass Unruhe und Impulsivität abnehmen.
 
(3) Symptome bei Erwachsenen
Bei Erwachsenen verändert sich das Erscheinungsbild der Störung erheblich In den Vordergrund treten vor allem Vergesslichkeit, fehlende Organisation und Strukturierung im Alltag. Auch Symptome wie impulsives Verhalten, Wutanfälle und unüberlegtes Handeln sind weiterhin vorhanden.

Im Erwachsenenalter haben sich diese Störungen so in den Geist der Betroffenen hineingefressen, dass sie meist als Teil seiner Persönlichkeit wahrgenommen werden.
Dies kann zu erheblichen Problemen im sozialen und beruflichen Leben führen – Depressionen, Angststörungen, Substanzmissbrauch oder Suchterkrankungen sind daher keine Seltenheit.

Darüber hinaus gehen die Betroffenen durch ihre erhöhte Impulsivität meist unnötige Risken ein und schaden sich selbst.

Ursachen

Die Ursachen für das Entstehen einer von ADHS sind vielfältig und lassen sich am besten durch ein komplexes Zusammenwirken verschiedener Faktoren erklären. Hierzu gehören genetische Vorbelastungen (1), aber auch ungünstige Bedingungen in Familie oder Schule – sogenannte psychosoziale Einflüsse (2).
 
(1) genetische Vorbelastungen
Bei ADHS handelt es sich um eine Erkrankung mit starker genetischer Verankerung. Forscher gehen davon aus, dass die Gene einen Anteil von 70 Prozent an der Entstehung von ADHS haben. In vielen Fällen – circa 10 bis 15 % – leiden Eltern, Geschwister oder andere Verwandte ebenfalls an ADHS.

Mehrere veränderte Gene (polygener Erbgang) sind im Zusammenspiel ursächlich für die fehlerhafte Informationsverarbeitung im Gehirn. Und zwar jene, die zwischen den Hirnarealen für die Regelung von Konzentration, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Impulskontrolle verantwortlich sind. Dazu gehören die Frontallappen sowie bestimmte Areale von Stammganglien und Kleinhirn.

In ihnen ist die Konzentration spezieller Botenstoffe zu gering, die zur Kommunikation der Nervenzellen nötig sind. Dazu gehören Serotonin, das die Impulskontrolle regelt, sowie Noradrenalin und Dopamin, die wichtig für Aufmerksamkeit, Antrieb und Motivation sind.
 
(2) psychosoziale Einflüsse
Die äußeren Umstände, unter denen ein Kind aufwächst, können den Verlauf der Störung ebenfalls beeinflussen. Ungünstige Familienverhältnisse können die betroffenen Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung jedoch zusätzlich belasten und sich auf den Schweregrad, den Krankheitsverlauf und die Entwicklung von begleitenden Störungen (z.B. Aggressivität, Angst) negativ auswirken.

Zu den so genannten psychosozialen Risikofaktoren zählen:

  • Aufwachsen mit einem alleinerziehenden Elternteil oder ohne Eltern
  • Bewegungsmangel
  • Zeitdruck
  • Häufige Kritik und Bestrafungen
  • Wenig emotionale Zuwendung
  • Ständiges Streiten der Eltern
  • Lärm
  • psychische Erkrankung eines Elternteils, vor allem antisoziale

Persönlichkeitsstörung des Vaters und Alkoholkonsum in der Familie
Bei sehr strengem, kontrollierendem oder lieblosem Erziehungsverhalten der Angehörigen erhöht sich das Risiko, dass sich die Probleme (Leistungsdefizite, aggressives Verhalten, emotionale Störungen) ausweiten.

Zeitgemäße ADHS-Therapien streben aus diesem Grund neben der psychotherapeutischen und medizinischen Behandlung auch eine positive Gestaltung des kindlichen Umfelds an.

Wichtig:

ADHS ist keine moderne Zivilisationskrankheit, wie früher oft angenommen wurde. Psychosoziale Einflüsse gelten nicht als Ursache, sondern als Verstärker eines ungünstigen Verhaltens. ADHS wird nicht durch falsche Erziehung, negative Kindheitserfahrungen, schlechte Ernährung oder exzessiven Medienkonsum verursacht. Diese Faktoren können „nur“ einen ungünstigen Einfluss auf die Erkrankung haben, sind jedoch nicht die eigentliche Ursache.

Modell nach Krause et al., 2018:

Diagnose und Untersuchungen

Die Diagnose einer ADHS (ICD-10: F90) erfolgt immer in enger Zusammenarbeit mit Ihrem behandelnden Arzt. Oft braucht es auch die Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten und Fachgruppen (Neuropädiater, Sozialpädiater, Neurologen, und Pädagogen), um ein umfassendes Bild zu erhalten und die Diagnose stellen zu können.

Für die Diagnose ADHS müssen bestimmte Kriterien nach dem Klassifikationssystem ICD-10 erfüllt sein. ADHS-typisch ist ein ungewöhnliches Maß an Unaufmerksamkeit (1), Hyperaktivität (2) und Impulsivität (3).

(1) Unaufmerksamkeit
Bei ADHS lassen sich mindestens sechs der folgenden ADHS-typischen Symptome von Unaufmerksamkeit erkennen. Diese müssen seit wenigstens sechs Monaten auftreten und dürfen nicht auf eine altersgemäße Entwicklungsstand zurückzuführen sein.

  1. Unaufmerksamkeit gegenüber Details oder Einzelheiten, z.B. Flüchtigkeitsfehler bei den Schularbeiten und sonstigen Arbeiten und Aktivitäten
  2. Konzentrationsschwierigkeiten, sie sind häufig nicht in der Lage, die Aufmerksamkeit bei Aufgaben aufrechtzuerhalten
  3. Hören häufig scheinbar nicht, was ihnen gesagt wird
  4. Sie führen oft Anweisungen nicht vollständig aus oder beenden Aufgaben nicht
  5. Sie haben Mühe, Aufgaben und Tätigkeiten zu organisieren
  6. Vermeiden oder verweigern oft Aufgaben, die Durchhaltevermögen erfordern
  7. Verlieren häufig Gegenstände wie Spielzeug, Hausaufgabenhefte oder Bücher
  8. Sie werden leicht durch unwesentliche Reize abgelenkt
  9. sind oft vergesslich bei alltäglichen Aktivitäten

(2) Hyperaktivität
Bei ADHS lassen sich mindestens drei der folgenden ADHS-typischen Symptome von Hyperaktivität erkennen. Diese müssen seit wenigstens sechs Monaten auftreten und dürfen nicht auf eine altersgemäße Entwicklungsstand zurückzuführen sein.

  1. Sie zappeln häufig mit Händen und Füßen oder winden sich auf dem Stuhl
  2. Sie sitzen ungern und verlassen oft den Sitzplatz, auch dann, wenn Sitzen erwartet wird
  3. Sie rennen häufig herum oder klettern überall hoch, auch in Situationen, in denen dies unpassend ist (bei Jugendlichen oder Erwachsenen entspricht dem nur ein Unruhegefühl)
  4. Sie sind oftmals sehr laut beim Spielen oder haben Schwierigkeiten bei leisen Freizeitbeschäftigungen

(3) Impulsivität
Bei ADHS lässt sich mindestens eins der folgenden ADHS-typischen Symptome von Hyperaktivität erkennen. Diese müssen seit wenigstens sechs Monaten auftreten und dürfen nicht auf eine altersgemäße Entwicklungsstand zurückzuführen sein.

  1. Sie haben häufig Mühe zu warten oder warten nicht, bis sie bei Spielen oder in Gruppensituationen an die Reihe kommen
  2. Sie unterbrechen und stören andere häufig (z.B. mischen sie sich ins Gespräch oder Spiel anderer ein)
  3. Sie unterbrechen oder stören häufig andere bei Unterhaltungen oder Spielen

Wichtig:

Die Kriterien sollten in mehr als einer Situation erfüllt sein, z.B. sollte eine Kombination von Unaufmerksamkeit und Überaktivität sowohl zuhause als auch in der Schule bestehen oder in der Schule und an einem anderen Ort, wo die Kinder beobachtet werden können.


Bei einem Verdacht auf ADHS können Sie zunächst Ihren Hausarzt aufsuchen, der Sie dann an einen erfahrenen Psychotherapeuten oder Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie weiterleitet.

Bedenken Sie immer, dass sich ADHS ganz unterschiedlich äußern kann. Nicht immer sind alle Anzeichen der Störung vorhanden. Auch lassen sich die ADHS-Symptome oft nur schwer von altersgemäßen Verhaltensweisen abgrenzen. Deshalb können nur erfahrene Spezialisten, beispielsweise Kinder- und Jugendärzte oder Kinder- und Jugendpsychiater, eine akkurate Diagnose stellen.

In ausführlichen strukturierten Gesprächen und gegebenenfalls psychologischen Tests werden andere (psychische) Erkrankungen ausgeschlossen. Für eine ADHS-Diagnostik bei Kindern befragt der Spezialist Eltern und andere Bezugspersonen zu Sozial-, Lern-, Leistungsverhalten und der Persönlichkeitsstruktur des Kindes.

Wichtig sind dabei Verhaltensauffälligkeiten und Besonderheiten, die Lernen, Leistung oder die Konzentrationsfähigkeit betreffen. Auch Fragen bzgl. Der Familiensituation, Erkrankungen innerhalb der Familie, Schwangerschaft und Geburt spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Bei erwachsenen Patienten mit ADHS werden überdies Fragen zu Nikotin-, Alkohol-, Drogenkonsum und psychiatrischen Erkrankungen gestellt.

Oftmals werden diese Gespräche auch durch Fragebögen, wie HASE, ergänzt, um sich ein umfassendes Krankheitsbild machen zu können.

Neben den Gesprächen erfolgen auch körperliche und neurologische Untersuchungen der Fein- und Grobmotorik, der Bewegungskoordination sowie der Sinnesorgane (u.a. Testung der Sehstärke, des Hörvermögens). Eine Messung der Hinströme im EEG ist nur erforderlich, wenn zum Beispiel der Verdacht auf Epilepsie besteht.

Behandlung

ADHS sollte in der Regel multimodal behandelt werden, das heißt durch Psychotherapie und Medikation. Das Spektrum einer Behandlung umfasst je nach Erscheinungsbild und Schweregrad der Erkrankung folgende Punkte:

  1. Medikamentöse Behandlung
  2. Elterntraining
  3. Interventionen in der Schule oder im Kindergarten
  4. Kognitive Verhaltenstherapie
  5. Ernährung

Sehr bewährt hat sich die Kombination aus Medikamenten, Verhaltenstherapie und Elterntraining. Welche Bausteine eingesetzt oder kombiniert werden, hängt vom Alter des Betroffenen und der Ausprägung des ADHS ab.
 
1. Medikamentöse Behandlung
Eine medikamentöse Behandlung dient bei ADHS-Patienten stets als unterstützende Maßnahme. Sie kann speziell bei stark ausgeprägten ADHS-Symptomen helfen, die sonst erhebliche Schwierigkeiten im Alltag verursachen. Gerade in schwerwiegenden Fällen stellen Medikamente überhaupt erst die Voraussetzungen für eine Therapierbarkeit her.

Die am häufigsten eingesetzten Medikamente sind Methylphenidat (Ritalin) oder Atomoxetin. Wenn Methylphenidat und Atomoxetin nicht ausreichend wirken, können auch verschiedene Neuroleptika, Antidepressiva, Beruhigungsmittel und weitere Amphetamine sowie Fenetyllin und Pemolin verordnet werden.

Medikamente dienen nicht zur Heilung, sondern zur dauerhaften Stabilisierung von ADHS. Aus diesem Grund müssen Patienten die Medikamente oft über Jahre, manchmal auch bis ins Erwachsenenalter einnehmen. Die Behandlung sollte nicht auf eigene Faust unterbrochen werden.

Außerdem ist es ratsam, dass der Arzt mindestens einmal im Jahr den Verlauf der Krankheit überprüft, um feststellen zu können, ob der Wirkstoff und die Dosis noch optimal sind. Haben sich die ADHS-Symptome über einen längeren Zeitraum deutlich gebessert, können die Medikamente eventuell abgesetzt werden.
 
2. Elterntraining
Die Schulung der Eltern gilt als wichtiger Bestandteil der ADHS-Therapie im Rahmen einer Behandlung. Voraussetzung für ein erfolgreiches Elterntraining ist die Kooperationsbereitschaft der Hauptbezugspersonen. Um ihre Kinder besser zu unterstützen, lernen die Eltern einen konsequenten, aber liebevollen Erziehungsstil. Das Training beinhaltet:

  • klare Strukturen vorgeben
  • eigenes Verhalten mit den Anweisungen in Übereinstimmung bringen
  • Rückmeldung an das Kind – Belohnung als pos. Verstärker bzw. neg. Konsequenzen bei auffälligem Verhalten.
  • erwünschtes Verhalten deutlich erkennbar belohnen

Eltern lernen darüber hinaus, sich selbst zu beobachten und zu beurteilen, um so ihre negativen Reaktionen auf das Kind zu kontrollieren. Bei Störungen der familiären Beziehungen und bei betroffenen Jugendlichen kann eine Familientherapie durchaus sinnvoll sein.
 
3. Interventionen in der Schule oder im Kindergarten
Im Vorschulalter besprechen die Eltern gemeinsam mit der Schule, der Schulbehörde über die Platzierung des Kindes in eine geeignete Klasse, die der, grundlegenden schulischen Leistungsfähigkeit des Kindes entspricht. Eine Sonderbeschulung ist häufig nicht notwendig. Bei Vorschulkindern mit stark ausgeprägter Symptomatik kann jedoch eine Unterbringung in eine vorschulische Sondereinrichtung sinnvoll sein.

Eine kognitive Therapie ist in diesem Alter noch nicht möglich. Haben die Kinder Schwierigkeiten, längere Zeit bei einer Sache zu bleiben, kann ein Spieltraining diese Fähigkeit fördern.
Bei älteren Kindern und Jugendlichen sind die Aufklärung und Beratung der Kinder und Eltern sowie das Elterntraining die Grundlage der Therapie. Im Mittelpunkt der Therapie steht das sogenannte Selbstinstruktionstraining, welches ADHS-Kinder an eine strukturierte Aufgabenlösung heranführt.

In einer sprachlichen Selbstanweisung geben sich die Kinder ihre nächsten Handlungsschritte vor. Die Fähigkeit, sich selbst konkrete Anweisungen zu geben, stärkt die Selbstkontrolle und hilft dabei, das eigene Verhalten zu überdenken.

Ist das Kind trotz Therapien und Training extrem unruhig oder aggressiv, kann der Rückgriff auf Medikamente sinnvoll sein.
 
4. Kognitive Verhaltenstherapie
Die Kognitiv Verhaltenstherapie umfasst die Zusammenarbeit mit den Kindern, deren Eltern und auch der Schule. Die Kinder lernen, ihren Alltag zu strukturieren und ihr Verhalten besser zu kontrollieren.

Sie erlernen so im Rahmen der Therapie ungünstige Gedankenmuster und automatisch auftretende Gedanken wie fehlende Motivation zu analysieren und hinterfragen. Die Bewertung und Interpretation von bestimmten Situationen – z.B. Anforderungen der Schule und der sozialen Umgebung – soll dabei verändert werden.

Die Therapie gibt dem ADHS- Patienten spezielle Bewältigungsstrategien zum Selbstmanagement an die Hand, sodass er sich besser in das soziale Umfeld integrieren kann. Auch die Vermittlung von Fertigkeiten zur erhöhten Selbststeuerung und -kontrolle sowie einer gezielteren Planung und Durchführung von Aktivitäten sollen die Tagesstrukturierung erleichtern.
 
5. Ernährung
Die Ernährung spielt besonders bei Kindern, die sowohl unter ADHS, als auch einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder -allergie leiden, eine wichtige Rolle. Eine Ernährungsumstellung kann dann einen positiven Beitrag leisten. Einige Nahrungsmittel, die häufig Allergien auslösen, sind zum Beispiel Milchprodukte, Eier, Nüsse sowie Farb- und Konservierungsstoffe.

Wichtig:

Ein Zusammenhang zwischen Fast Food bzw. zuckerhaltiger Ernährung und einer – damit verbundenen – Steigerung der Hyperaktivität des Kindes sind wissenschaftlich nicht belegt.

Ziele

  • Aufbau von Krankheitsverständnis und einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung
  • Psychoedukation zur Störung und Entwicklung eines individuellen Krankheitsmodells
  • Erkennen dysfunktionaler Kognitionen
  • Erlernen von Fertigkeiten und Bewältigungsstrategien

Krankheitsverlauf und Prognose

ADHS ist therapierbar, aber nicht heilbar. In 30% der Fälle verschwinden zwar die Symptome mit den Jahren, etwa 70% begleiten sie jedoch ein Leben lang.

Vielfach werden die Verhaltensauffälligkeiten erst im Kindergarten oder in der Schule, wenn Kinder sich erstmals in ein Regelwerk äußerer Strukturen einfinden müssen, besonders deutlich und als ADHS erkannt. Je nach Ausprägung wird die Störung fataler Weise aber auch oft erst noch später oder gar nicht diagnostiziert.

Dies kann schwerwiegende Folgen mit sich ziehen, gerade bei älteren ADHS-Patienten manifestiert sich im Laufe der Zeit ein geringes Selbstwertgefühl, depressive Verstimmungen und große Mängel in der Selbstorganisation ein – auch berufliche und soziale Bindungen bleiben meist instabil.

Deshalb ist es wichtig, dass Menschen mit ADHS frühstmöglich die richtige Diagnose und eine passende Behandlung erhalten, da sie sonst diese schwerwiegenden Probleme auftreten.
Im Verlauf einer ADHS-Erkrankung ändern sich oftmals die Symptome. Während Kinder mit ADHS vor allem durch ihre Hyperaktivität und Impulsivität auffallen, zeigen sich Jugendliche mit ADHS oft verträumt und unaufmerksam.

Im Erwachsenenalter nimmt die Hyperaktivität meist weiter ab.
Eine professionelle Unterstützung hilft den Leidensdruck des ADHS-Patienten zu lindern und ihm ein annähernd „normales“ Leben zu ermöglichen.

Häufigkeit

In Deutschland ist ADHS eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Experten schätzen die Anzahl der ADHS-Patienten in der Altersgruppe von 6-18 Jahren auf ungefähr 5%, das entspricht etwa 500.000 Betroffenen.

Jungen sind vier Mal häufiger betroffen als Mädchen. Allerdings geht man davon aus, dass die Dunkelziffer bei Mädchen sehr hoch ist, weil gerade bei ihnen die Aufmerksamkeitsstörung oft ohne Anzeichen eines übersteigerten Bewegungsdranges (Hyperaktivität) besteht – und daher oftmals übersehen wird. Mit zunehmendem Alter gleicht sich der Geschlechterunterschied wieder aus.

Quellen und Lesetipps

  • Matthias Gelb, Dina Völkel-Halbrock: ADS /ADHS: Ein Ratgeber für Eltern, Pädagogen und Therapeuten (Ratgeber für Angehörige, Betroffene und Fachleute) Schulz-Kirchner; Auflage: 3, Januar 2014
  • Wolfdieter Jenett: ADHS: 100 Tipps für Eltern und Erzieher (HELP – Hilfe für Eltern, Lehrer, Pädagogen) Verlag Ferdinand Schöning, 15. Juni 2011
  • Mina Teichert Neben der Spur, aber auf dem Weg: Warum ADS und ADHS nicht das Ende der Welt sind, Eden Books 6. April 2017
  • Baer & Kirsch: Alles nach Plan: ADHS im Erwachsenenalter meistern.
  • Barkley & Benton: Das große Handbuch für Erwachsene mit ADHS.
  • Hallowell & Ratey: Zwanghaft zerstreut oder die Unfähigkeit, aufmerksam zu sein.
  • Nyberg & Hofecker-Fallahpour: Ratgeber ADHS bei Erwachsenen. Informationen für Betroffene und Angehörige.

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