Exposition

Sie befinden sich hier:

Warum Sie mich auswählen sollten:

Exposition

Exposition ist eine Behandlungsmethode, die meist in der kognitiven Verhaltenstherapie angewendet wird. Sie wird oftmals im Rahmen einer Behandlung von Panik-, Generalisierter Angst-, Zwangs-, posttraumatischen Belastungs-, Ess- und Abhängigkeitsstörungen eingesetzt.

Prinzipiell geht es darum, sich aktuell gemiedenen, z. B. angstauslösenden Reizen zu stellen, um eine weitere Lebenseinschränkung und Chronifizierung der Erkrankung durch Vermeidung zu verhindern. Ebenso soll die Erfahrung ermöglicht werden, dass die befürchtete Konsequenz einer Annäherung an die gemiedene Situation nicht bedrohlich ist.

Die Wirksamkeit von Expositionsbehandlung wurde wissenschaftlich nachgewiesen und wird bei entsprechender Indikation von den Krankenkassen übernommen.

Autor: Marta Mustermann
Position: Psychologin
Aktualisiert: 29.04.2021

Inhaltsverzeichnis

Was ist Exposition?

Unter Exposition versteht man ein Therapieverfahren, indem der Patient dem Angstobjekt ausgesetzt wird.

Diese Übung soll den Patienten beibringen, die Fluchttendenz während der Konfrontation mit dem Angstobjekt, auszuhalten und negative Reaktionen abzubauen. Bei der Exposition wird im Gegensatz zur Desensibilisierung, die den negativen Reiz nur schrittweise erhöht, der Patient mit dem Angstobjekt in seiner vollen Stärke konfrontiert.

Das Ziel ist es, trotz des Auftretens der aversiven Körperreaktionen und Gefühle so lange in der angstbesetzten Situation zu bleiben, bis die Anspannung und Angst deutlich absinken.

Wichtig:

Der Therapeut muss mögliches Fluchtverhalten des Patienten verhindern und den Patienten in der angstbesetzten Situation unterstützen. Bei Fortschreiten der Therapie soll der Patient dazu angehalten werden, sich auch allein angstauslösenden Situationen zu stellen und sie nicht zu vermeiden.

Wie wirkt Exposition?

Die zugrundeliegende Annahme dieser Technik ist eine antrainierte Reiz-Reaktionsverbindung, bei der auf einen Reiz (z.B. ein enger Raum) immer eine negative Gefühlsreaktion (z.B. Panik) folgt.

Diese Verbindung zwischen Reiz und Reaktion ist dabei so stark ist, dass durch den auslösenden Reiz immer wieder die negative Reaktion ausgelöst wird. Dies führt dann beim Patienten meist zu einer Vermeidung dieser Reizsituation und damit zu einem Teufelskreis. Dieser Teufelskreis hält die Störung weiter aufrecht, da die Angst vor dem Erleben negativer Emotionen zur Vermeidung dieser Situation führt, die wiederum die Angst vor der Situation erhöht.

Durch die Konfrontation mit dem Angstobjekt wird der Teufelskreis durchbrochen und die hohe emotionale Erregung des Reizes abgebaut.

Behandlungsablauf

1. Vorbereitungsphase
In der Vorbereitungsphase erarbeitet der Patient gemeinsam mit dem Therapeuten, welche Situationen Ihre Ängste bzw. Zwänge auslösen und welches Vermeidungsverhalten Sie voraussichtlich einsetzen würden.

Danach wird auf einer Skala der Schweregrad der auslösenden Situation aufgezeichnet. Man nennt dies die Angsthierarchie.

Des Weiteren werden in der Vorbereitungsphase Übungen wie z.B. Hyperventilation durchgeführt, um sich auf die auslösende Situation vorzubereiten.

Zum Schluss erfolgt in der Vorbereitungsphase eine Zielanalyse, bei der die Ziele der Therapie schriftlich (so konkret wie möglich) festgelegt werden.
 
2. Durchführung
Das Ziel der Expositionstherapie ist, dass Sie erfahren, dass ihre Anspannung bei der Konfrontation mit der Angstsituation nicht ins Unendliche steigt, sondern ein Ende hat. Die Anspannung ist eine physiologisch erschöpfbare Reaktion, die im Verlauf auch wieder nachlässt, ohne dass die Angstsituation endet.

Durch die Wiederholung der Exposition in den Sitzungen kommt es zu einer Gewöhnung, so dass die Anspannung bzw. die Ängste im Verlauf immer weiter nachlassen.
Für das Expositionsverfahren es zwei Vorgehensweisen, das (a) graduierte Vorgehen und das so genannte (b) Flooding.
 
a. Graduierte Exposition
Die graduierte Exposition wird häufig bei komplexen Angststörungen eingesetzt. Dazu wird mit dem Üben der Situationen begonnen, die in der Angsthierarchie auf der mittleren Stufe stehen.
Der Übungsablauf und die Übungsziele werden dabei gemeinsam mit dem Therapeuten festgelegt.

Nach erfolgreicher Exposition werden die Übungen dann langsam (graduell) gesteigert, so dass im weiteren Verlauf Übungen mit stärkerer Angstbesetzung durchgeführt werden können.

Das Ziel ist es, dass der Patient am Ende eigenständig – ohne Begleitung durch Therapeuten und ohne andere Hilfsmittel wie Medikamente – die früher angstbesetzten Situationen alleine meistern kann. Die dabei auftretenden Gefühle der Anspannung sollen nun eigenständig ausgehalten werden können, sodass sich hieraus keine Ängste bzw. Panikattacken mehr entwickeln können.
 
b. Flooding
Beim Flooding begibt sich der Patient während der Übung in die maximal angstbesetzte Situation. Diese Art der Exposition wird allerdings eher selten eingesetzt, meist nur bei spezifischen Ängsten wie z.B. der Angst vor Spinnen oder Schlangen.

Auch beim Flooding wählen Patient und Therapeut zunächst gemeinsam aus, welche Übungen durchgeführt werden sollen, und vereinbaren dann zusammen ein konkretes Übungsprogramm.
Der Vorteil des Flooding ist, dass die Betroffenen relativ schnell eine deutliche Verbesserung ihrer Angst erreichen können.
 
Die Wahl der Expositionsvariante ist abhängig vom Störungsbild und den individuellen aufrechterhaltenden Faktoren der Erkrankung.

Formen der Exposition

In der Durchführung der Expositionen unterscheidet man zwischen Exposition in sensu und Exposition in vivo.

Exposition in sensu: Bei der Exposition in sensu wird der Patient gedanklich mit den gefürchteten Reizen konfrontiert. Die Exposition in sensu zielt dabei auf die Konfrontation mit inneren, aversiven Reizen ab, wie z.B. Die Vorstellung einer Schlange oder Spinne.

Exposition in Vivo: Bei der Exposition in vivo wird die Angstsituation tatsächlich durchgeführt, d.h. der Patient wird mit den äußeren aversiven Reizbedingungen konfrontiert, wie z.B. einer Schlange oder einem engen Raum.

Eigenständiges Durchführen der Expositionen

Nachdem die Expositionsübungen zunächst je nach Schweregrad der Erkrankung mit Unterstützung durch den Psychotherapeuten durchgeführt werden, lassen sich mit einiger Erfahrung Expositionen auch eigenständig ohne einen Therapeuten wirksam einsetzen.

Es ist sogar ein Teilziel der Therapie, sie in Ihrer Eigenständigkeit zu bestärken und Ihnen eine Kompetenz im Umgang mit Ihren Ängsten zu entwickeln. Hierdurch können Sie ihre Selbstwirksamkeit erheblich verbessern und ihr Selbstwertgefühl deutlich steigern.

Exposition als Gruppentherapie

Die Exposition kann nicht nur als Einzel- sondern auch als Gruppentherapie durchgeführt werden.

Oftmals ist es sogar sinnvoll als Ergänzung zu den Einzeltherapien Gruppensitzungen abzuhalten, da der Patient durch den Kontakt zu anderen Betroffenen sieht, dass er mit seiner Angst nicht allein ist und einen starken Motivationsschub erzielt.

Es entsteht ein stärkendes „Wir“- Gefühl, dass dem Patienten hilft mit seiner Angst besser umgehen zu können.

Quellen und Lesetipps:

  • Neudeck: Expositionsverfahren. Techniken der Verhaltenstherapie, Beltz.
  • Hand: Expositionsbehandlung. In: Linden, Hautzinger (Hrsg.). Verhaltenstherapiemanual, Springer.
  • Peter Neudeck, Hans-Ulrich Wittchen (Hrsg.): Konfrontationstherapie bei psychischen Störungen. Theorie und Praxis. Hogrefe, Göttingen u. a. 2004.
  • Nicolas Hoffmann, Birgit Hofmann: Expositionen bei Ängsten und Zwängen. Praxishandbuch. Beltz Verlag PVU, Weinheim u. a. 2004.
  • Wölk: Möglichkeiten der Intensivierung von Expositionstherapie bei der Behandlung von Zwangsstörungen. In: Reinecker, Halla, Rothenberger (Hrsg.). Zwangsstörungen: Grundlagen, Zwänge bei Kindern, Psychotherapie, Pabst.

Jetzt Termin vereinbaren

Wichtig: Felder mit einem * sind Pflichtfelder.