Soziale Angst

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Soziale Angst

Für viele Menschen ist es zunehmend schwieriger, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die permanente Angst, im alltäglichen Sozialkontakt etwas Falsches zu tun, sich in der Öffentlichkeit zu blamieren oder unangenehm aufzufallen, raubt einen Großteil an Lebensqualität.

Die ständige Angst, von Mitmenschen negativ bewertet zu werden, kann zu einem starken Meidungsverhalten führen, und damit zu einer sozialen Isolation.

Die soziale Phobie gehört zu den Angststörungen und stellt nicht nur für den Betroffenen, eine enorme Belastung, sondern auch für die Angehörigen und Freunde, die sich zunehmend hilflos fühlen und nicht mehr an den geliebten Menschen herankommen, dar.

Unbehandelt führt diese Erkrankung zu einer immer weiteren sozialen Isolation. In der Therapie lernen die Patienten, sich ihrer Ängste zu stellen und diese Dynamik zu durchbrechen.

Autor: Marta Mustermann
Position: Psychologin
Aktualisiert: 29.04.2021

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine soziale Phobie?

Menschen, die unter einer Sozialen Phobie leiden, fürchten sich oft davor, unangenehm aufzufallen; sei es durch ihr Verhalten oder durch sichtbare Anzeichen ihrer Angst, wie Erröten oder Schwitzen.

Die Angst bezieht sich dabei auf Situationen, in denen die Betroffenen als Person im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Dass kann zum Beispiel, dass Betreten eines Raumes, in dem bereits andere sitzen, oder das Vermeiden, mit mehreren Menschen sprechen und essen zu müssen, sein.

Bei den Betroffenen besteht meist eine große Angst vor Ablehnung durch andere. So wird der bloße Kontakt mit Menschen bereits für sie zu einer Qual. Besonders ausgeprägt ist diese Angst im Kontakt mit dem anderen Geschlecht.

Die körperlichen Angstreaktionen gehen von starkem Herzklopfen, Übelkeit, Durchfall bis hin zu einer Muskelanspannung, und können sich sogar zu einer Panikattacke steigern.

Im Laufe der Zeit kann die Soziale Phobie die Betroffenen so sehr in ihrem Leben einschränken, dass diese, weil sie eben gewisse Situationen vermeiden, den Abschluss einer Ausbildung oder eines Studiums nicht schaffen. Auch im Berufsleben nehmen die Betroffenen Aufstiegschancen oder einen Arbeitsplatzwechsel aus Angst vor Menschen, die einem fremd sind, nicht wahr.

Manche Menschen mit sozialer Phobie können gar keinen Beruf mehr ausüben. In diesen Fällen ist die soziale Phobie so stark ausgeprägt, dass sie zu einer vollständigen sozialen Isolation führt.

Auch im Privatbereich kann die Soziale Phobie zu immensen Problemen zwischen Partnern, Angehörigen oder Familienmitgliedern führen, weil diese zunehmend von der betroffenen Person abgewiesen werden und nicht mehr das Gefühl haben diese zu erreichen.

Häufigkeit und Risiko

In Deutschland erkranken etwa 3- 15% im Laufe ihres Lebens an einer Sozialen Phobie. Sie gehört damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Dabei sind Frauen eineinhalb Mal so häufig betroffen wie Männer.

In der Regel tritt die Erkrankung erstmals im Jugendalter auf. In etwa 60 Prozent der Fälle tritt eine soziale Phobie in Kombination mit anderen psychischen Störungen auf. Die Betroffenen leiden außerdem unter anderen Angsterkrankungen, Essstörungen oder Suchterkrankungen. Die Hälfte leidet zeitgleich an Depressionen.

Einmal in der Isolation angekommen, ist der Weg zurück aus eigener Kraft schwer und ohne professionelle Hilfe kaum zu bewältigen.

Wirksamkeit einer Therapie

Mit einer individuellen Therapie sind die Heilungschancen einer Sozialen Phobie sehr gut – allerdings müssen Betroffene den ersten Schritt selbst wagen – denn die soziale Phobie ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, die, ohne professionelle Behandlung, nur selten von alleine verschwindet.

Insbesondere im Erwachsenenalter bleiben die Beschwerden ohne therapeutische Behandlung meist dauerhaft bestehen.

Als Therapieform kommen dabei zwei Möglichkeiten, die auch miteinander kombiniert werden können, in Betracht: eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva oder eine Kognitive Verhaltenstherapie.

Bei der medikamentösen Therapie gibt der Arzt dem Patienten, beim Auftreten von Ängsten, Beruhigungsmittel. Diese lindern die Angst recht schnell, können jedoch bei einer Einnahme über einen längeren Zeitraum abhängig machen. Sie sollten daher nur in Ausnahmefällen über eine kurze Spanne Anwendung finden.

Bei der Kognitiven Verhaltenstherapie wird der Betroffene mit seinen Ängsten konfrontiert bis ein gewisser Gewöhnungseffekt eintritt und die Angst abklingt. Studien belegen zudem, dass eine Psychotherapie Ängste nachhaltiger bekämpfen kann als eine medikamentöse Behandlung.

Alternativ zur Kognitiven Verhaltenstherapie ist es möglich, sich einer psychodynamischen Psychotherapie in meiner Praxis zu unterziehen.

Ursachen

Die Ursachen einer Sozialen Phobie sind vielfältig. Es spielen sowohl biologische als auch psychische Faktoren eine Rolle. Oft stehen sie im Zusammenhang mit ungünstigen Gedankenmustern und Erwartungshaltungen. Betroffene denken, dass sie inkompetent, dumm und nicht liebenswert sind.

Wichtige Einflussfaktoren sind neben einer genetischen Vorbelastung, dem kontrollierenden Erziehungsstil der Eltern auch traumatische Erlebnisse bzw. die Erfahrungen, die eine Person in jungen Jahren macht. Im Folgenden werden die häufigsten Ursachen auf einen Blick zusammengefasst.
 
Ursachen auf einen Blick:

  • Genetische Vererbung: Diese gilt als signifikantester Grund für eine Soziale Phobie.
  • Individuelle Persönlichkeitsmerkmale: Schüchternheit und Gehemmtheit (meist durch das ängstliche Verhalten der Eltern begründet) sowie die Angst vor neuen, unvertrauten Situationen.
  • Negatives Selbstbild: Betroffene sehen sich selbst oft überkritisch. Sie stellen meist hohe Anforderungen an sich selbst, denen sie nicht gerecht werden können. Ein häufiger Gedanke von Menschen mit sozialer Phobie ist: „Die anderen Menschen sehen, dass ich ungeschickt und dumm bin“. Solche negativen Gedanken können die Soziale Phobie auslösen und sie dann auch aufrechterhalten.
  • Erziehungsstil der Eltern: Ein wenig emotionaler, dafür kontrollierender und überbehütender Erziehungsstil der Eltern kann zu einem emotionalen Ungleichgewicht führen.
  • Unangenehme Erfahrungen mit anderen Menschen: Wenn jemand vom anderen ausgelacht, gedemütigt oder ausgeschlossen wird, kann dies zu einer negativen Assoziation von sozialen Kontakten führen und so ein Vermeidungsverhalten auslösen.
  • Traumatische Lebensereignisse: Erfahrungen in der Kindheit, die der Betroffene als „traumatisierend“ und negativ erlebt hat, sind grundsätzlich ein Risikofaktor für psychische Probleme. Das gilt auch für die Soziale Phobie. Frühe Verlusterfahrungen, wie der Tod eines Elternteils oder eine Scheidung, können zur Entwicklung überzogener Angst beitragen. Darüber hinaus sind Vernachlässigung oder Misshandlung weitere Risikofaktoren für eine soziale Phobie.

All diese Faktoren gelten als idealer Nährboden für eine Soziale Phobie und bilden gemeinsam das Ursachengeflecht. Welches oftmals, ohne therapeutische Hilfe, in einer totalen Isolation des Betroffenen endet.

Der Grund dafür ist, dass früh erlernte ungünstige Bewältigungsmechanismen nur selten von Betroffenen, als solche wahrgenommen werden, und selbstständig verändert werden können. Oftmals bleiben diese ungünstigen Bewältigungsmuster dann bis ins Erwachsenenalter bestehen und führen zu einer sozialen Phobie.

Symptome

Neben ernsten seelischen Begleiterscheinungen zeigen von Sozialphobie Betroffene eine Vielzahl von psychischen (1) und körperlichen (2) Symptomen, die bei Menschen, die das Maß, einer gewöhnlichen Schüchternheit, deutlich übersteigen.

Häufig nimmt diese Situationsangst ihren Anfang in der Kindheit oder Pubertät, da in dieser Phase jeder Mensch eine Reihe von Veränderungen durchmacht.

Wenn die hier beschriebenen Symptome und Anzeichen zutreffen, könnte eine Soziale Phobie zugrunde liegen. Dann ist es sehr empfehlenswert, einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen.
 
1. Psychische Beschwerden
Die Ängste beziehen sich auf soziale Situationen. Der Betroffene hat eine große Furcht davor, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen oder sich zu blamieren. Daher vermeiden sie Situationen, wie zum Beispiel Essengehen oder Sprechen in der Öffentlichkeit, in denen die Befürchtungen Wirklichkeit werden könnten.

Neben diesem Vermeidungsverhalten bereitet Vielen auch die Kommunikation bzw. Kontaktaufnahme zu anderen Personen ein großes Problem. Vor allem der Umgang mit Menschen des anderen Geschlechts oder Situationen, in denen sie auf Autoritätspersonen treffen, sorgen für Unwohlsein.

Menschen mit sozialer Phobie leiden unter starken Minderwertigkeitsgefühlen und einem geringen Selbstbewusstsein. Ein direkter Blickkontakt ist ihnen fast unmöglich, daher wirkt ihre Mimik starr und resigniert.
 
Psychische Symptome auf einen Blick:

  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Geringes Selbstbewusstsein
  • Ständige Angst etwas falsch zu machen

2. Körperliche Beschwerden
Der Stress, der in sozialen Situationen, für die Betroffenen entsteht äußert sich häufig in körperlichen Symptomen, wie zum Beispiel dem Zittern oder Erröten.

Menschen mit sozialer Phobie bemerken diese Symptome und haben dann große Sorge, dass anderen diese Anzeichen ebenfalls auffallen könnten. So wenden die Betroffenen eine hohe Konzentration auf die Unterdrückung dieser Symptome, was allerdings den gegenteiligen Effekt auslöst, und die körperlichen Symptome nur noch verstärkt. So entsteht nun ein Teufelskreis.
 
Körperliche Symptome auf einen Blick:

  • Harndrang
  • Kopfschmerzen
  • Mundtrockenheit
  • Atemnot
  • Durchfall
  • Erröten
  • Übelkeit
  • Schweißausbrüche
  • Schwindel
  • Herzrasen/Herzklopfe
  • Händezittern
  • Muskelverspannungen

Die Betroffenen leiden sehr unter den Angstsymptomen und den Folgen des Vermeidungsverhaltens. Obwohl sie wissen, dass die Angst übertrieben ist, können sie ihr Verhalten nicht alleine ändern.
 
Das hier dargestellte Vulnerabilitäts-Stress-Modell ist ein allgemeines Modell, was bei vielen psychischen Erkrankungen zur Anwendung kommt und je nach Modell spezifizierbar ist.

Es bezieht das Zusammenwirken von schon vor der Krankheit vorliegenden Merkmalen, auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren mit ein. Soziale Phobie ist meistens durch mehrere Faktoren bedingt.

Diagnose

Es gibt verschiedene Arten von Angststörungen mit jeweils unterschiedlichen Symptomen. Dazu gehören Phobien, Panikstörungen und Zwangsstörungen. Daher bedarf es zuallererst eines ausführlichen Gesprächs, um eine genaue Diagnose stellen zu können.

In einem ersten Gespräch werden Arzt oder Psychotherapeut den Betroffenen nach den einzelnen Beschwerden, dem allgemeinen Gesundheitszustand, der Familiengeschichte und nach körperlichen Erkrankungen fragen und so überprüfen, ob eine Soziale Phobie vorliegt.

Fragebögen, wie beispielsweise die Social Interaction Anxiety Scale (SIAS) oder die Social Phobie Scale (SPS) helfen dem Therapeuten dabei, die Schwere der Erkrankung einzuschätzen und abzuklären, ob noch andere psychische Probleme als Ursache in Frage kommen.

Folgende Fragen könnte Ihnen der Therapeut stellen:

  • Haben Sie Angst davor, vor anderen Menschen zu erröten?
  • Haben Sie Angst davor, in der Öffentlichkeit zu sprechen?
  • Haben Sie Angst davor, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen?
  • Haben Sie Angst davor, sich kleinen Gruppen anzuschließen?

Anhand dieser individuellen Befragung klassifiziert er Ihre Symptome mit Hilfe der ICD-10 F40.1. Nach der ICD-10 Klassifikation psychischer Störungen müssen entweder das 1. oder 2. Kriterium für eine Soziale Phobie erfüllt sein:

1. Deutliche Furcht im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen oder sich peinlich oder erniedrigend zu verhalten.

2. Deutliche Vermeidung im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen oder von Situationen, in denen die Angst besteht sich peinlich oder erniedrigend zu verhalten.
Diese Ängste treten in sozialen Situationen auf, wie Essen oder Sprechen in der Öffentlichkeit, Begegnung von Bekannten in der Öffentlichkeit, Hinzukommen oder Teilnahme an kleinen Gruppen, wie z.B. bei Feierlichkeiten, Konferenzen oder in Klassenräumen.
 
Mindestens zwei der folgenden Angstsymptome in den gefürchteten Situationen müssen aufgetreten sein:

1. Vegetative Symptome (Herzklopfen oder erhöhte Herzfrequenz, Schweißausbrüche, Zittern, Mundtrockenheit),

2. Symptome, die Brustkorb oder Bauch betreffen (Atembeschwerden, Beklemmungsgefühl, Thoraxschmerzen, Übelkeit oder abdominelle Missempfindungen),

3. Psychische Symptome (Gefühl von Schwindel, Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit, Derealisations- oder Depersonalisationsgefühle, Angst vor Kontrollverlust, verrückt zu werden,Angst zu sterben),

4. Allgemeine Symptome (Hitzewallungen oder Kälteschauer, Gefühllosigkeit oder Kribbelgefühle)
Zusätzlich muss mindestens eins der folgenden Symptome aufgetreten sein:
1. Erröten oder Zittern
2. Angst zu Erbrechen
3. Harn- oder Stuhldrang oder Angst davor
 
Es sollte eine deutliche emotionale Belastung durch die Angstsymptome oder das Vermeidungsverhalten sowie die Einsicht, dass die Symptome oder das Vermeidungsverhalten übertrieben und unvernünftig sind, beim Betroffenen bestehen. Darüber hinaus sollten sich die Symptome, ausschließlich oder vornehmlich, auf die gefürchteten Situationen oder auf Gedanken an diese beschränken.
 
Sie sollten weder durch Wahn noch Halluzinationen oder andere Symptome der Störungsgruppen Organische psychische Störungen, wie Schizophrenie, affektive Störungen oder Zwangsstörungen ausgelöst worden sein.

Nach der Diagnose informiert der Arzt oder Therapeut den Patienten über die möglichen Behandlungsmethoden mithilfe einer Psychotherapie und Medikamenten.

Wichtig:

Da Soziale Phobien häufig gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen einhergehen, wird auch dahingehend untersucht.

Behandlung

Die Behandlung der Sozialen Phobie besteht meistens aus einer Kombination von kognitiver Verhaltenstherapie und Medikamenten (Selektive Serotonin- oder Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer). In manchen Fällen kann, falls eine Kognitive Verhaltenstherapie nicht erfolgreich war, auch eine Psychodynamische Psychotherapie eingesetzt werden.

Wichtig:

Seien Sie geduldig mit sich selbst, denn eine schnelle oder einfache „Heilung“ ist nur in Einzelfällen zu erwarten. Oftmals bedarf es einer gewissen Zeit bis man lernt mit dem Stress und der Angst besser umzugehen.

Zu Beginn der Therapie wird der Patient ausführlich über die soziale Phobie informiert (Psychoedukation). Der Therapeut erklärt dem Betroffenen welche Faktoren zur Entstehung und zur Aufrechterhaltung der Störung beitragen und welche Rolle unrealistische Ansprüche und Gedanken, sowie das Vermeidungsverhalten spielen.

Menschen mit einer Soziale Phobie haben oft eine negativ verzerrte Sicht auf die eigene Person. Die Erwartung negativer Bewertung durch andere ist ein entscheidender Faktor bei der Aufrechterhaltung der Angst. Hinzu kommt, dass andere Menschen als kritisch angesehen werden und die Meinung anderer als sehr wichtig empfunden wird. Daher wird in einem nächsten Schritt der Therapie ungünstige Gedanken, wie zum Beispiel „Die anderen sehen mir an, dass ich unfähig bin.“, überprüft und hinterfragt.
 
Mögliche Fragen:

  • Kann der Betroffenen wirklich wissen, wie andere Menschen über ihn denken?
  • Kann er sich sicher sein, dass andere sein Verhalten als peinlich empfinden?

Im nächsten Schritt werden die ungünstigen Gedanken verändert. Der Therapeut hinterfragt die Gedanken des Patienten, die sich auf die Bewertung durch andere beziehen.

Bei vielen Patienten laufen negative Gedanken automatisch ab, weil sie über einen langen Zeitraum antrainiert wurden. Der Therapeut schult den Patienten darin, diese unrealistischen, verzerrten und angstmachenden Gedanken zu erkennen. Denn nur so kann der Betroffene die Gedanken auch verändern. Sobald dies geschehen ist, motiviert der Therapeut den Patienten realistischere Denkmuster zu finden, die weniger bedrohlich sind.

Im Anschluss daran setzt der Therapeut Rollenspiele ein, um den Betroffenen mit seinen Ängsten zu konfrontieren. Viele Betroffene haben den Umgang mit anderen verlernt, weil sie soziale Situationen vermieden haben. In Rollenspielen werden reale Situationen in einem sicheren Umfeld nachgestellt. Auf diese Weise entwickelt der Patient Kompetenzen, die ihn im sozialen Umgang wieder sicherer machen sollen.

Im letzten Schritt der Therapie soll sich der Betroffene tatsächlich, also in der Öffentlichkeit, in diese unangenehmen „peinlichen“ Situationen begeben, um so seine Angst zu überwinden. Dabei wird in der Regel mit einer kleinen Herausforderung begonnen, die dann im Laufe der Zeit, immer weiter gesteigert wird.

Hierbei erleben die Patienten häufig, dass die befürchteten Reaktionen nicht eintreten. Die anderen Menschen reagieren entweder neutral oder sogar positiv auf sie. Wie auch bei anderen Angststörungen sind die Vorstellung und Angstgedanken deutlich schlimmer, als die Realität. Mit dieser Erkenntnis können die Betroffenen so die Soziale Phobie besiegen.
 
Ziele der Behandlung:

  • Aufbau von Krankheitsverständnis und einer vertraulichen Arbeitsbeziehung zwischen Therapeuten und Patienten
  • Veränderung von angstauslösenden Gedanken
  • Erkennen dysfunktionaler Kognitionen,
  • Erlernen von Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training
  • Sich Stellen und Üben von persönlich herausfordernden Situationen in Rollenspielen, in der Vorstellung sowie im realen Alltag
  • Aufbau sozialer Kompetenz durch gezielte Übungen
  • Rückfallprophylaxe

Das Ziel einer Therapie ist es, dass die soziale Phobie verschwindet oder wenigstens so kontrolliert werden kann, dass Betroffene souverän damit umgehen können und das Leben dadurch nicht weiter negativ beeinflusst und eingeschränkt wird.

Es ist sehr schwer, extreme Ängste in den Griff zu bekommen, aber viele Menschen schaffen es mit der Zeit.

Neben der Kognitiven Verhaltenstherapie können auch Entspannungsverfahren den Betroffenen helfen, ihre ständige Anspannung zu reduzieren. Meistens wird die progressive Muskelentspannung nach Jacobson empfohlen. Bei dieser Methode wird der gesamte Körper durch Atemübungen und das An- und Entspannen von Muskeln aktiv entspannt.

Auch eine Gruppentherapie kann sinnvoll sein, zum Beispiel in Form einer Sozialen Kompetenzgruppe. Durch aktive Mitarbeit in den Stunden soll ein Selbstvertrauen aufgebaut werden und durch Üben werden Ängste abgebaut und soziale Interaktionen wieder als angenehmer erlebt.

Krankheitsverlauf und Prognose

Unbehandelt verläuft die soziale Phobie in vielen Fällen chronisch. Je früher die soziale Phobie sich entwickelt hat, desto schlechter ist die Prognose. Betroffene entwickeln dann häufiger weitere psychische Erkrankungen, vor allem Depressionen und Suchterkrankungen.

Dabei bilden sich die ersten Symptome der Sozialen Phobie bereits im Jugendalter. Allerdings erfolgt die ärztliche Diagnose meist erst einige Jahre später, weil Betroffene meist ein großes Schamgefühl haben, was dazu führen kann, dass Betroffene sich oftmals nicht trauen, die psychische Belastung, selbst gegenüber einem Facharzt, zu äußern.

Sowohl beruflich als auch im privaten zwischenmenschlichen Bereich schränkt eine soziale Phobie die Betroffenen stark ein. In besonders schweren Fällen kann der Leidensdruck so hoch werden, dass die Gefahr eines Suizids besteht.

Mit einer professionellen Behandlung haben die Betroffenen jedoch gute Chancen auf einen positiven Verlauf. Dabei bietet sich vor allem die Kognitive Verhaltenstherapie an. Bei dieser Therapieform wird der Betroffene mit seinen Ängsten konfrontiert bis ein gewisser Gewöhnungseffekt eintritt und die Angst abklingt.

Inzwischen gibt es durch zahlreiche Studien gute Wirksamkeitsbelege für die Kognitive Verhaltenstherapie, selbst dann, wenn die soziale Phobie schon seit einiger Zeit besteht.

Was können Angehörige oder Freunde tun?

Meist sind Angehörige und Freunde bei einer Sozialen Phobie mitbetroffen, da die Betroffenen sie oft abblocken und nicht an sich heranlassen.

Für Außenstehende ist es zudem schwierig zu beurteilen, ob die betreffende Person einfach nur schüchtern ist oder eine Soziale Phobie hat. Deuten die Anzeichen jedoch auf eine Soziale Phobie hin, sollten Familienmitglieder und Freunde dazu ermutigen, sich professionelle Hilfe zu holen.
Für das Wohlbefinden ist es wichtig, dass Angehörige sich selbst nicht zu sehr einschränken.

Entwickelt sich die Soziale Phobie eines Partners oder Freundes zu einer ständigen Belastung, stehen ich Ihnen auch gerne zur Seite.

Quellen und Lesetipps:

Nach den gesetzlichen Regelungen gelten alle Personen, die noch nicht 14 Jahre alt sind, als Kinder, und alle Personen zwischen 14 und 21 Jahren als Jugendliche.

Weiterhin gilt, dass eine bereits angefangene Kinder- und Jugendpsychotherapie auch nach dem 21. Lebensjahr noch abgeschlossen werden kann, wenn dies für den Therapieerfolg sinnvoll ist. Patienten ab 18 Jahren können wie wählen, ob sie eine Kinder- und Jugendpsychotherapie oder eine Erwachsenen-Psychotherapie in Anspruch nehmen wollen.

Privatpatienten: Bitte nehmen Sie Kontakt zu ihrer Krankenkasse auf und lassen sich die notwendigen Formulare zusenden. Gern stehe ich Ihnen dabei unterstützend zur Seite. In der Regel übernehmen die privaten Krankenkassen die Kosten meiner psychotherapeutischen Behandlung.

  • V R Steiger et. Al (2016) Pattern of structural brain changes in social anxiety disorder after cognitive behavioral group therapy: a longitudinal multimodal MRI study, Molecular Psychiatry; doi: 10.1038/mp.2016.217
  • Furmark T (2009) Neurobiological aspects of social anxiety disorder. Isr J Psychiatry Relat Sci 46:5–12
  • Dombrowski: Wege zu mehr Selbstvertrauen. Hilfreiche Strategien zur Erhöhung des Selbstwertgefühls, CIP-Medien.
  • Fensterheim & Bear: Sage nicht ja, wenn Du nein sagen willst, Goldmann.
  • Hinsch, Wittmann: Soziale Kompetenz kann man lernen, Beltz
  • Stangier, Clark, Ehlers: Soziale Phobie, Hogrefe.
  • Wolf: Keine Angst vor dem Erröten, PAL.
  • Von Consbruch, Stangier: Ratgeber Soziale Phobie, Hogrefe.
  • Stangier & Fydrich: Soziale Phobie und Soziale Angststörung. Hogrefe
  • Von Consbruch, K. & Stangier, U. (2010). Ratgeber Soziale Phobie, Informationen für Betroffene und Angehörige. Göttingen: Hogrefe.

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