Depression

Sie befinden sich hier:

Warum Sie mich auswählen sollten:

Depression

Eine Depression ist eine schwere seelische Erkrankung, die sich für Betroffene oftmals wie ein schwarzer Schleier über die Seele legt. Die Patienten fühlen sich sehr niedergeschlagen, verlieren ihre Interessen und sind erschöpft und antriebslos.

Depressive Störungen gehören in Deutschland laut der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland zu den am Häufigsten auftretenden psychischen Erkrankungen. Demnach erkranken rund 11% der Menschen im Laufe ihres Lebens an einer depressiven Störung.

Die Krankheit besteht meist über längere Zeit und bessert sich nicht ohne eine entsprechende Behandlung. Allerdings kann mit der richtigen Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten der schwarze Schleier der depressiven Störung wieder entfernen.

Autor: Marta Mustermann
Position: Psychologin
Aktualisiert: 29.04.2021

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Depression?

Eine Depression ist eine schwere psychische Erkrankung, bei der die Betroffenen anhaltende gedrückte Stimmung, eine Hemmung von Antrieb und Denken, Interessenverlust sowie vielfältige körperliche Symptome aufweisen, die von Schlaflosigkeit über Appetitstörungen bis hin zu Schmerzzuständen reichen.

Die Mehrheit der Erkrankten hegt früher oder später Suizidgedanken, 10 bis 15% aller Patienten mit wiederkehrenden schwer ausgeprägten depressiven Phasen sterben durch Suizid.

Ein großes Problem stellt die Tatsache dar, dass viele der Betroffenen – aus Scham oder Angst – keinen Arzt aufsuchen. Dies ist ein Fehler, weil sich eine unbehandelte Depression chronifiziert. Um dies zu vermeiden, sollten Sie bei einem ersten Verdacht immer einen Arzt aufsuchen.

Stellt der Arzt die Diagnose Depression, ist die Lage alles andere als aussichtslos. In den letzten Jahrzehnten hat sich hinsichtlich der Therapie einiges getan und mehr als 80% der Erkrankten kann dauerhaft und erfolgreich geholfen werden.

Bei der Depression unterscheidet man zwischen verschiedenen Formen und Ausprägungen. Eine unipolare Depression liegt immer dann vor, wenn depressive Phasen – Niedergeschlagenheit, Antriebsarmut und Interesselosigkeit – auftauchen.

Treten außer diesen Symptomen auch noch Phasen grundloser, übermäßig gehobener und distanzloser Stimmung (sogenannte Manie) auf, liegt eine so genannte bipolare Störung vor. Bei ca. 20% der Patienten mit Depressionen verläuft die Erkrankung bipolar. Beide Erkrankungsformen gehören zu den affektiven Störungen.

Symptome

Die Symptome einer Depression, welche eine Indikation für eine psychotherapeutische Behandlung sind, können vielfältig sein. Sie werden in der Regel nach der ICD-10 F3.-/F33. Klassifikation psychischer Störungen bestimmt. Bei einer Depression müssen – über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen – folgende drei Hauptsymptome vorliegen:
 
1. Niedergedrückte Stimmung: Die Betroffenen leiden sehr unter einer tiefen Niedergeschlagenheit. Die depressive Stimmung beeinflusst den Betroffenen in einem ungewöhnlichen Ausmaß – die meiste Zeit des Tages und fast jeden Tag.
 
2. Innere Leere und Verlust von Interessen: Die Freude an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren, geht verloren. Innerlich fühlt er sich leer und gefühlstot. Das Interesse an sozialen Kontakten, an Arbeit und Hobbys erlischt. Aufmunterungsversuche durch die Mitmenschen haben keinen Effekt.
 
3. Antriebslosigkeit und Müdigkeit: Alltägliche Aufgaben zu bewältigen, fällt depressiven Menschen schwer; sie ermüden leicht und ihr Antrieb ist gemindert. Meist fühlen Sie sich geistig und körperlich erschöpft, dies kann so weit gehen, dass selbst das morgendliche Aufstehen zu einem Kraftakt wird.

Wichtig:

Die negativen Gedanken können bei schweren Depressionen so stark werden, dass Suizidgedanken aufkommen. Bei depressiven Menschen mit suizidalen Gedanken liegt die Selbsttötungsgefahr zwischen 10-15 % – das ist sehr hoch. Sie sollten unbedingt einen Psychotherapeuten aufsuchen, falls sich solche Gedanken vermehrt aufdrängen.

Neben diesen drei Hauptmerkmalen können je nach Schweregrad noch folgende Symptome hinzukommen:

  • Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls
  • Verdauungsstörungen
  • Gewichtsveränderungen
  • Appetitstörungen
  • Schlafstörungen
  • Unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle
  • Suizidales Verhalten
  • Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit

Depressionen gehen oft auch mit körperlichen Beschwerden einher, die keine erkennbare organische Ursache haben. Solche Symptome nennt man somatisch. Typische körperliche Symptome sind beispielsweise:

  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • Magen- und Darmprobleme
  • Sexuelle Unlust
  • Schlafstörungen

Die körperlichen Symptome treten phasenweise auf und klingen mit der Behandlung der Depression wieder ab.
 
Besonderheit: Wahnvorstellungen und Halluzinationen
Eine schwere depressive Episode kann auch von Wahnvorstellungen und Halluzinationen begleitet werden. Die Patienten leiden meist unter Zwangsgedanken oder Verfolgungswahn. Solche wahnhaften Depressionen sind äußerst schwer zu behandeln, deshalb werden neben der Psychotherapie und medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva auch zusätzlich antipsychotische Medikamente eingesetzt.
 
Depressionen sind schwere seelische Erkrankungen, die unbedingt professionell behandelt werden sollten. Anders als Traurigkeit und Lustlosigkeit, die zum Leben dazugehören, verschwindet eine Depression nicht von alleine und bessert sich auch nicht durch Ablenkung oder Aufmunterung. Es bedarf immer einer Behandlung, um nachhaltige Erfolge zu erzielen.
 
Ein zusammenfassender Überblick der Symptomatik (nach Voderholzer&Hohagen, 2018):

Ursachen

Die Ursachen für das Entstehen einer Depression sind vielfältig und lassen sich am besten durch ein komplexes Zusammenwirken verschiedener innerer und äußerer Faktoren erklären. Hierzu gehören genetische Vorbelastungen (1), neurobiologische Störungen (2), psychosoziale Faktoren (3) und aktuelle kritische Auslöser (4). Dabei hängt es jeweils vom Einzelfall ab, wie groß der Einfluss der verschiedenen Faktoren ist.
 
(1) Genetische Vorbelastung
Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass das Risiko, an einer Depression zu erkranken, höher ist, wenn andere Blutsverwandte bereits erkrankt sind. Das gilt besonders dann, wenn diese in einem frühen Alter krank wurden.

So wurde eine familiäre Häufung von Depressionen bei Verwandten ersten Grades (Geschwister, Eltern oder Kinder) beobachtet; so leiden 20 bis 40% der Verwandten ebenfalls an einer Depression. Im gewissen Maße sind Depressionen also vererbbar.
 
(2) Neurobiologische Störungen im Gehirnstoffwechsel
Viele Untersuchungen deuten darauf hin, dass Depressionen durch typische Veränderungen von Botenstoffen im Gehirn gekennzeichnet sind. Dabei scheinen bestimmte Botenstoffe (so genannte Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Acetylcholin, Gamma-Aminobuttersäure) aus dem Gleichgewicht geraten zu sein.

Sind diese nicht im Gleichgewicht, stört das den Austausch zwischen den Nervenzellen, und beeinflusst wiederum Gefühle und Gedanken negativ.

Die Veränderungen der Botenstoffe stellen meist Depressive Patienten weisen im Vergleich zu Gesunden oft eine erniedrigte Aktivität von Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin dar. Die Wirkstoffe von Antidepressiva sorgen für eine Erhöhung bestimmter Botenstoffe im neuronalen System und helfen, die Symptome einer Depression zu mindern bzw. sie zu unterdrücken.
Des Weiteren wurde durch bildgebende Verfahren bei Betroffenen während einer depressiven Episode eine veränderte Aktivität bzw. Fehlregulation des so genannten limbischen Systems im Gehirn festgestellt.

Das limbische System, auch als stressregulierendes System bezeichnet, ist für das Empfinden und Verarbeiten von Gefühlen zuständig. Die veränderte Aktivität bei der Verarbeitung von Gefühlen erklärt, die erhöhte psychische Verletzlichkeit depressiver Patienten und warum Schicksalsschläge oftmals einer Erkrankung vorausgehen.

(3) Psychosoziale Faktoren (bestimmte Entwicklungs- und Persönlichkeitsmerkmale)
Ein weiterer Faktor, der zur Entstehung einer Depression beitragen kann, beruht auf einer fehlgeleiteten Entwicklung in der Kindheit. Ein ängstlich-fürsorglicher Erziehungsstil, eine daraus resultierende „erlernte Hilflosigkeit“ sowie geringe Fähigkeiten des Betroffenen, Stress zu bewältigen, können Risikofaktoren für die Entwicklung einer Depression sein.

Auch die persönliche Lebenseinstellung hat einen Einfluss auf das Depressionsrisiko. Häufig sind negative Bewertungen von Situationen, Ereignissen und eine negative Selbstwahrnehmung sowie erlernte Gedankenmuster mitverantwortlich für das Entstehen einer Depression.

Ein gutes Selbstwertgefühl und Optimismus schützen hingegen vor Depressionen. Dafür kann man etwas tun: Negative Denkmuster und Vorstellungen lassen sich durch entsprechende Übungen positiv verändern.
 
Psychosoziale Faktoren:

  • Verlust eines Elternteils
  • Störung der Mutter-Kind-Beziehung
  • Mangelndes Selbstwertgefühl

Der große Teil der psychosozialen Einflussfaktoren liegt meist im Dunkeln und Unbewussten der Betroffenen und kann erst durch das geeignete Therapieverfahren bewusst gemacht werden.
 
(4) Aktuelle Auslöser (Belastungs- und Konfliktsituationen)
Erheblichen Einfluss haben auch die Erfahrungen, die ein Mensch in seinem Leben gemacht hat. Bei vielen Depressionen tritt die Erkrankung nach kritischen, belastenden oder negativen Ereignissen auf, z.B. dem Verlust eines Partners oder Probleme mit nahen Bezugspersonen, wie Scheidung/Trennung. Auch die Veränderungen der gewohnten Lebensweise wie z.B. durch Pensionierung können eine Rolle spielen.

Es ist nachgewiesen, dass stressreiche Lebensereignisse zu neurobiologischen Reaktionen wie z.B. vermehrter Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führen, welches auch bei Depression in erhöhter Konzentration im Blut gefunden wird.

Auch körperliche Erkrankungen (z.B. chronische Schmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs) und bestimmte Medikamente können bei der Auslösung einer Depression eine Rolle spielen.
 
Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, fühlen sich oft hilflos, weil sie das Gefühl haben, ihre Lage nicht kontrollieren zu können. Negative Ereignisse werden häufig so interpretiert, dass man selbst „schuld“ ist und man die Situation nicht ändern kann.

Man wertet sich selbst ab und nimmt negative Erfahrungen verstärkt wahr. Erlernte Gedanken treten oft automatisch auf, setzen den negativen Bewertungsprozess in Gang und verstärken jedes Mal die depressive Symptomatik, wodurch eine Abwärtsspirale entsteht.

Diagnose und Untersuchungen

Die Diagnose von Art und Ausmaß der psychischen Belastung und den krankheitsbezogenen Risikofaktoren erfolgt immer in enger Zusammenarbeit mit Ihrem behandelnden Arzt. Dieser kann aufgrund von körperlichen Untersuchungen und einem ausführlichen Gespräch Ihren Verdacht überprüfen.

Die Diagnose einer behandlungsbedürftigen (klinischen) Depression erfolgt nach Ausschluss anderer Ursachen auf Basis der Internationalen Klassifikation von Krankheiten, ICD 10.

Depressionen werden diagnostiziert, wenn der Patient mindestens zwei der drei Hauptsymptome (depressive Stimmung, Interessen- und Freudverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren, und Antriebslosigkeit) und eines der folgenden Nebensymptome über mehr als zwei Wochen zeigt:

  1. Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls
  2. Unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle
  3. Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid
  4. Klagen über oder Nachweis eines verminderten Denk- oder Konzentrationsvermögens
  5. Psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung
  6. Schlafstörungen
  7. Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung

Depressionen werden abhängig vom Schweregrad und Verlauf der depressiven Episode als leichte, mittelschwere oder schwere Depression klassifiziert.

Für eine genaue Diagnose der Depression nutzt der Arzt unterschiedliche Fragebögen wie beispielsweise die Becks Depressions-Inventar (BDI-II), PHQ-9 und HAMD. Des Weiteren könnte der Therapeut für die Diagnose der Depression folgende Fragen stellen:

  • Haben Sie sich in letzter Zeit oft freudlos gefühlt?
  • Hatten Sie in letzter Zeit häufig Selbstzweifel, Schuldgefühle oder negative Gedanken?
  • War Ihre Stimmung in den letzten Wochen oft gedrückt?
  • Hatten Sie in letzter Zeit Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren?
  • Hat sich in letzter Zeit Ihr Appetit verändert
  • Waren Sie in letzter Zeit häufig antriebslos und müde?

Letztlich kann eine profunde Diagnose nur durch einen erfahrenen Arzt oder Psychotherapeuten gestellt werden. Sofern Sie den Verdacht haben, an einer Depression zu leiden, sollten Sie unbedingt einen Arzt oder Psychotherapeuten aufsuchen. Eine Depression sollte möglichst frühzeitig behandelt werden. Je eher die Therapie beginnt, desto besser stehen die Heilungschancen.

Behandlung

Die Behandlung einer Depression setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen – dem psychotherapeutischen Verfahren (1) und der medikamentösen Versorgung (2).

Die Behandlung wird stets individuell auf die Probleme, Persönlichkeit und Lebenssituation des Patienten maßgeschneidert. Unterstützend zur Psychotherapie können auch Medikamente bei Depressionen eingesetzt werden– vor allem, wenn schwerere depressive Symptome auftauchen.

Psychotherapie und antidepressive Medikation gehören zu den Standardverfahren, die primär und grundsätzlich zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden und ihren Nutzen in zahlreichen klinischen Studien bewiesen haben.

Wichtig:

Psychotherapien werden in der Regel ambulant (mit etwa zwei Wochensitzungen) durchgeführt. Je nach Art und Schweregrad der Depression sowie den individuellen Belastungsfaktoren kann auch eine stationäre Psychotherapie in geeigneter Einrichtung (Psychosomatische Kliniken, Psychotherapiestationen) nötig sein.

Abhängig von der Schwere der Krankheit werden Depressionen in der Regel mit einer Psychotherapie, antidepressiven Medikamenten oder eine Kombination aus beidem behandelt.
 
(1) Psychotherapeutische Verfahren
Bei einer Psychotherapie sind über Monate hinweg Geduld und Engagement des Patienten gefordert. Wer sich darauf einlässt, kann seine Depression aber oft langfristig überwinden und seine psychische Stabilität insgesamt verbessern. Im Folgenden zeigen wir Ihnen die gängigsten Verfahren.
 
a. Kognitive Verhaltenstherapie
Die Kognitive Verhaltenstherapie hat sich unter den Psychotherapieverfahren als besonders wirksam bei Depressionen erwiesen.

Der Ausgangspunkt dieser Behandlung ist die Annahme, dass Depressionen mit automatischen negativen, selbstabwertenden Wahrnehmungs- und Denkmustern zusammenhängen. Diese Muster können das Denken, die Gefühlswelt und das Verhalten des Patienten betreffen. Meist ist gut nachvollziehbar, dass sie aufgrund früherer Erfahrungen erlernt wurden, in der Gegenwart sind sie jedoch oft realitätsfremd, unlogisch oder verzerrt.

Nach dem Aufdecken der negativen Gedanken, Muster und Überzeugungen, werden diese durch neue, positivere Denkweisen ersetzt.

Folgende Aspekte stellen den Schwerpunkt der kognitiven Verhaltenstherapie dar:

  • Definieren der Schlüsselprobleme
  • Abbau von belastenden, negativen Aktivitäten – Entwickeln von Ideen und Aufbau von angenehmen, positiven Aktivitäten
  • Verhaltensänderung in alltäglichen Situationen und Wiederaufnahme von sozialen Kontakten – in Rollenspielen übt der Patient, mit spezifischen alltäglichen Problemen umzugehen
  • Vorstellung eines alternativen Denk- und Wahrnehmungsmodells, Planung von praktischen Aktivitäten und deren Umsetzung, z.B. konkrete Wochenplanung
  • Umgang mit Rückschlägen sowie vorbeugende Interventionen.

b) Psychodynamische Psychotherapie
Bei der psychodynamischen Psychotherapie geht man davon aus, dass Depressionen oft durch Verlust- und Kränkungserlebnisse ausgelöst werden, die nicht richtig verarbeitet werden konnten. Diese unbewussten inneren Konflikte sollen im Verlauf der Therapie durch den Therapeuten bewusst gemacht werden. Danach werden – durch das wiederholte Erinnern und Durchleben dieser Erfahrungen – die Symptome aufgelöst und die Depression geheilt.

Wichtig:

Dem Betroffenen muss verdeutlichen werden, dass es sich um eine Krankheit – ohne sein Verschulden – handelt.

Zu den psychodynamischen Psychotherapien gehört die klassische Psychoanalyse ebenso wie die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Wissenschaftlich abgesichert ist die Wirksamkeit einer tiefenpsychologisch orientierten Kurzzeittherapie bei leichten und mittelschweren Depressionen.
 
c. Interpersonelle Therapie (IPT) bei Depression
Die Interpersonelle („zwischenmenschliche“) Therapie (IPT) ist eine Kurzzeittherapiemethode, die speziell für die Behandlung depressiver Erkrankungen entwickelt wurde. Sie kombiniert therapeutische Konzepte aus Verhaltenstherapie und psychodynamischer Therapie.

Ihr Ausgangspunkt ist dabei die Annahme, dass innere und soziale Konflikte in kritischen Lebenssituationen erkannt, verstanden und entsprechend gelöst werden müssen. Dabei stehen im Mittelpunkt der Gespräche die Beziehungen des Patienten zu seinen Mitmenschen.
 
Folgende 4 Bereiche stehen nach der IPT bei Depressionen in Verbindung:

  • Verlust von geliebten Menschen
  • Zwischenmenschliche Konflikte
  • Soziale Rollenveränderungen
  • Soziale Isolierung

Aus diesen vier Bereichen werden meist ein bis zwei Themen ausgewählt, die für den jeweiligen Patienten am wichtigsten sind. Der Psychotherapeut ermuntert den Patienten- während der Sitzungen – stets zum Ausdruck seiner Gefühle und Gedanken und neue oder schwierige Situationen werden immer wieder im Rollenspiel geübt.

Das Ziel der IPT ist es, Fähigkeiten und Strategien zum Umgang mit Konflikten zu erlernen, die zur Entstehung oder Aufrechterhaltung der Depression beitragen. Leider werden die Kosten für die IPT noch nicht von den Kassen übernommen.
 
d. Gesprächspsychotherapie
Die Gesprächspsychotherapie nach Carl R. Rogers geht davon aus, dass jeder Mensch bestimmte Vorstellungen von sich hat – ein sogenanntes Selbstbild. Psychische Störungen und ein negatives Selbstbild entstehen, wenn Menschen Akzeptanz und emotionale Zuwendung nur unter bestimmten Bedingungen erfahren.

Daher konzentriert sich die Gesprächsführung inhaltlich darauf, dass der Patient lernt, sich dieses gestörte Selbstbild zu erkennen, seine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen und sie auf diese Weise ins Bewusstsein zu bringen. So kann er dann seine eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und sein negatives Selbstbild ablegen.
 
e. Elektrokrampftherapie
Die Elektrokrampftherapie (EKT) wird vor allem bei schweren depressiven Störungen, bei der Medikamente und Psychotherapie versagen, eingesetzt. Unter einer Kurznarkose (die von einem Facharzt für Anästhesie durchgeführt wird) werden kurze Stromimpulse an das Gehirn weitergeleitet, die zu einem kontrollierten Krampfanfall, ähnlich wie in der Epilepsie, führen. Dabei werden vermehrt Neurotransmitter (Botenstoffe wie Serotonin und Noradrenalin) ausgeschüttet. Zudem können neue Nervenzellen gebildet werden.

Die Methode ist frei von Nebenwirkungen und hat sich in klinischen Studien als überaus wirksam erwiesen. Der Patient bekommt durch die Anästhesie nichts vom tatsächlichen Eingriff mit.
 
f. Wachtherapie
Bei der Wachtherapie müssen die Patienten die gesamte Nacht wach bleiben. Mit dieser Methode kann man zwar die Depression nicht heilen, aber die Symptomatik zumindest kurzfristig deutlich verbessern. Diese kurzweilige Besserung ist für die Depressiven nicht nur eine enorme Erleichterung, es weckt in ihnen auch wieder die Hoffnung, tatsächlich ihre Depression überwinden zu können.
 
g. Die Lichttherapie
Die Lichttherapie ist oftmals bei saisonalen Depressionen („Winterdepression“) hilfreich. Hierbei wird therapeutisches Licht (10.000 Lux Helligkeit) – das weitgehend dem Sonnenlicht entspricht – eingesetzt. Die Patienten müssen sich täglich etwa eine Stunde vor ein Gerät setzen, welches diese Lichtstrahlen aussendet.
 
(2) Medikamentöse Behandlung
Zur medikamentösen Behandlung einer Depression werden hauptsächlich Antidepressiva- wie Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) – eingesetzt. Diese Antidepressiva erhöhen den Spiegel des Serotonins im Gehirn und verringern zugleich auch die typischen körperlichen Symptome (z.B. Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden), die mit einer Depression einhergehen.

Allerdings setzt die Wirkung oft erst nach Wochen ein. Wenn die Symptome abklingen, müssen die Medikamente häufig noch weiter eingenommen werden.

Wichtig:

Werden die Medikamente abgesetzt, besteht die Gefahr eines Rückfalls – insbesondere, wenn das abrupt erfolgt. Setzen Sie daher Antidepressiva nicht eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie das Vorgehen mit Ihrem Arzt!

Des Weiteren kann bei besonders schweren Fällen auch Lithium zum Einsatz kommen, da es stimmungsstabilisierend wirkt, und somit die Suizidgefahr mindert.

Ziel

  • Aufbau von Krankheitsverständnis und einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung
  • Psychoedukation zur Störung und Entwicklung eines individuellen Krankheitsmodells
  • Kognitive Therapie zum Erkennen negativer automatisierter Gedanken und gedankliche Umstrukturierung, Realitätstesten, Bearbeitung dysfunktionaler Verhaltensweisen
  • Aufbau positiver Aktivitäten: Wochenplanung und Alltagstrukturierung
  • Problemlösungstraining zur Verbesserung der sozialen Integration, der Wiederherstellung der beruflichen Leistungsfähigkeit und der Verbesserung des Selbstvertrauens
  • Förderung der Sozialkompetenz und Selbstsicherheit
  • Rückfallprophylaxe

Auch regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung und feste Schlafenszeiten unterstützen den Genesungsprozess, da sie sich positiv auf das Körperempfinden und das Selbstbewusstsein auswirken.

Das Selbstwertgefühl wird gestärkt und die Hoffnungslosigkeit verdrängt. Wer Sport in einer Gruppe treibt, profitiert zusätzlich von dem Gemeinschaftsgefühl und dem sozialen Kontakt, der sonst bei einer Depression meist immer seltener wird.

Krankheitsverlauf und Prognose

Depressionen sind individuell ganz unterschiedlich. Bei einem Drittel der Betroffenen tritt eine teilweise Besserung ein, maximal 15 % bleiben schon nach der ersten Episode chronisch depressiv; 15 bis 20% der Fälle weisen jedoch eine Dauer von mindestens 12 Monaten auf und etwa 10 bis 15% der Menschen mit Depressionen nehmen sich das Leben.

Wichtig:

Die meisten depressiven Episoden bilden sich – durch eine entsprechende Behandlung – innerhalb weniger Monate zurück.

Die Therapie ermöglicht es, depressive Episoden zu durchbrechen oder vollkommen abklingen zu lassen, besonders nach einer einzelnen depressiven Episode sind die Heilungschancen gut.

Ein Drittel der rechtzeitig Behandelnden erlebt nur einmal im Leben eine depressive Episode.
Mit jedem Rückfall steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass weitere depressive Phasen auftreten. Besonders schwer zu heilen sind chronische Depressionen. Sie werden nicht selten zum lebenslangen Begleiter und bedürfen ständiger Behandlung.

Unbehandelt ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass eine Depression über Monate oder Jahre bestehen bleibt. Das gilt insbesondere für schwere Depressionen. Das Rückfallrisiko steigt dann nach der ersten Episode auf etwa 50%, bei schweren Depressionen sogar auf 75%.
Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass frühestmöglich mit einer Behandlung begonnen wird, damit die Erfolgsaussichten steigen.

Häufigkeit

In Deutschland leiden 15-20 % der Menschen im Laufe ihres Lebens unter einer Depression. Frauen sind dabei etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Depressive Erkrankungen können in jedem Lebensalter auftreten, oft in Kombination mit einer weiteren psychischen Erkrankung wie zum Beispiel einer Angsterkrankung.

Bei einem Drittel der Betroffenen tritt lediglich eine teilweise Besserung der Depression ein, maximal 15% bleiben schon nach der ersten Episode chronisch depressiv. Die meisten Depressionen lassen sich mit Hilfe einer Therapie innerhalb weniger Monate erfolgreich behandeln.

Allerdings kann die Behandlung bei besonders schweren Fällen (etwa 15-30 %) auch über 12 Monate benötigen.

Was können Angehörige oder Freunde tun?

Angehörige und Freunde sollten sich zuallererst über die Krankheit Depression informieren. So lernen sie die Situation des Betroffenen besser kennen und verstehen, seine Verhaltensweisen einzuschätzen.

Ein entscheidendes Kriterium für die Genesung des Betroffenen ist Motivation. Sie können dem Betroffenen helfen seine Medikamente regelmäßig zu nehmen und die Termine beim behandelnden Arzt oder Therapeuten einzuhalten.

Die Therapie einer Depression verlangt nicht nur dem Betroffenen, sondern auch seinem gesamten sozialen Umfeld, viel Kraft ab. Achten Sie deshalb, bitte auch auf Ihr eigenes seelisches Wohlbefinden. Entwickelt sich die Depression eines Partners, Angehörigen oder Freundes zu einer ständigen Belastung, stehe ich Ihnen gerne zur Seite.

Quellen und Lesetipps

  • Görlitz: Selbsthilfe bei Depressionen, Klett-Cotta
  • Haig: Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben, DTV
  • Hautzinger: Ratgeber Depression, Hogrefe.
  • Johnstone: Mit dem schwarzen Hund leben, Kunstmann
  • Löffler, Wagner: Männer weinen nicht – Depression bei Männern, Goldmann
  • McCullough: Mein Weg aus der Depression, CIP-Medien
  • Rosner: Anhaltende Trauerstörung
  • Sachse: Wie ruiniere ich mein Leben – und zwar systematisch!
  • Bojack, Barbara: Depressionen im Alter: ein Ratgeber für Angehörige. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2003.
  • Gunter Groen, Wolfgang Ihle, Maria Elisabeth Ahle, Franz Petermann: Ratgeber Traurigkeit, Rückzug, Depression: Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher. Hogrefe, Göttingen 2012.
  • Ulrich Hegerl, Svenja Niescken: Depressionen bewältigen: Die Lebensfreude wiederfinden. 3. Auflage. TRIAS, Stuttgart 2013.
  • Ruedi Josuran, Verena Hoehne, Daniel Hell: Mittendrin und nicht dabei: Mit Depressionen leben lernen. Ullstein-Taschenbuch, Berlin 2002.
  • Larissa Wolkenstein, Martin Hautzinger: Ratgeber Chronische Depression. Informationen für Betroffene und Angehörige. Hogrefe, Göttingen 2015.

Jetzt Termin vereinbaren

Wichtig: Felder mit einem * sind Pflichtfelder.