Panikattacken

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Panikattacken

Schweißausbrüche, Herzrasen und unerträgliche Furcht sind typische Symptome einer Panikstörung.

Eine Panikattacke dauert zwar nur wenige Minuten, aber die Betroffenen durchleben Todesängste. Viele Patienten sind überzeugt, dass eine bedrohliche körperliche Ursache die Beschwerden auslöst.

In Deutschland erkranken etwa 4 % Prozent der Menschen in ihrem Leben an einer Panikstörung mit Panikattacken. In der Psychotherapie lernen sie die Auslöser zu verstehen und die Attacken zu kontrollieren.

Autor: Marta Mustermann
Position: Psychologin
Aktualisiert: 29.04.2021

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Panikstörung?

Kennzeichnend für eine Panikstörung sind wiederkehrende, nicht vorhersehbare Panikattacken. Bei Panikattacken handelt es sich, um plötzlich auftretende Anfälle starker Angst. Im Rahmen dieser Panikattacken erleben die Betroffenen intensive Angstzustände (Angst zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren), die von intensiven körperlichen Reaktionen wie Schwindel, Herzrasen, Übelkeit, Taubheitsgefühlen sowie die Angst verstärkenden Gedanken begleitet werden.

Häufig tritt durch eine Panikstörung für die Betroffenen eine starke Einschränkung ihres Lebens ein, da das unvorhersehbare Auftreten der Panikattacken zu Sicherheits- und Vermeidungstendenzen führt, die sich sowohl auf das berufliche als auch auf das private Leben auswirken.

Auch Kinder und Jugendliche können eine Angst- und Panikstörung entwickeln. Dabei spielt vor allem das Verhalten der Eltern eine große Rolle, denn viele Kinder übernehmen das ängstliche Verhalten von ihnen. Besonders Kinder, die unter Trennungsangst leiden, erleben häufiger Panikattacken. Unbehandelt kann die psychische Erkrankung chronisch verlaufen und sich sehr negativ auf die Entwicklung der Kinder auswirken. Besonders schwerwiegend sind vor allem die sozialen Folgen, da sich die Kinder aus Angst immer weiter zurückziehen.

Meist ist es sinnvoll in der Therapie mit Kindern und Jugendlichen, die Eltern miteinzubeziehen, denn Angststörungen bei Kindern beruhen in vielen Fällen auf gestörten Beziehungen innerhalb der Familie.

Das frühe Erkennen einer Panikstörung führt gerade bei Kindern und Jugendlichen zu einer raschen Genesung und langfristigem Erfolg.

Symptome

Die Symptome einer Panikstörung bzw. Panikattacke, welche eine Indikation für eine psychotherapeutische Behandlung sind, können vielfältig sein. Sie werden in der Regel nach der ICD-10 F41.0 Klassifikation psychischer Störungen bestimmt.

Bei einer Panikstörung tritt immer zumindest eins der folgenden Symptome auf: Veränderungen der Herzfrequenz und Herzklopfen, Schweißausbrüche, Zittern und Mundtrockenheit. Im Folgenden zeigen wir Ihnen weitere psychische (1) und physische (2) Symptome.
 
(1) Psychische Symptome

  • Schwindelgefühle
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Angst verrückt zu werden oder „auszuflippen“
  • Angst zu sterben
  • Schwäche und Benommenheit

(2) Physische Symptome

  • Herzklopfen, Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag
  • Schwitzen
  • Atembeschwerden und Hyperventilation
  • Übelkeit, Bauchbeschwerden
  • Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust
  • Taubheits- oder Kribbelgefühle
  • Zittern
  • Schweißausbrüche
  • Hitzewallungen oder Kälteschauer mit Gänsehaut
  • Übelkeit und Unwohlsein
  • Beklemmungsgefühl

Eine Panikattacke ist eine einzelne Episode intensiver Angst, die abrupt beginnt und innerhalb weniger Minuten ihr Maximum erreicht. Die Panikattacke hält nur wenige Minuten (max. 30 Minuten) an. In der Regel bessern sich die Symptome analog zum Adrenalin-Abbau nach etwa 15 bis 20 Minuten. Die Häufigkeit der Attacken kann zwischen mehrfach täglich bis monatlich schwanken. Die Patienten leben manchmal in ständiger Angst vor der nächsten Attacke.
 
Besonderheit: Nächtliche Panikattacken
Bis zu 35 Prozent der Patienten mit einer Panikstörung erleben auch nachts regelmäßig Panikattacken. Eine sichere Erklärung für dieses Phänomen gibt es leider nicht
Experten vermuten, dass die Panik als Reaktion auf körperliche Veränderungen, wie zum Beispiel schneller Herzschlag, tagsüber erlernt wird. Diese antrainierte Reaktion läuft dann nachts automatisch ab.
 
Der Teufelskreis einer Panikattacke (Modell (nach Schneider&Margraf, 2017):

Kurze Erklärung:
Eine Panikattacke besteht oftmals aus einem Teufelskreis aus körperlichen und emotionalen Wahrnehmungsvorgängen, die sich wechselseitig aufschaukeln.

Betroffene achten meist verstärkt auf physiologische Abläufe und Symptome des Körpers: dadurch wird die Angst verstärkt und es folgt eine Angstreaktion in Form von weiteren, körperlichen Symptomen, wie beispielweise Herzrasen oder Atemnot.

Durch die erhöhte Aufmerksamkeit auf die körperlichen Symptome und Angst vor weiteren Panikattacken verstärkt sich dieser Teufelskreis und weitere Panikattacken entstehen.

Ursachen

Die Ursachen für das Entstehen einer Panikstörung sind vielfältig. Meist sind mehrere Faktoren notwendig, damit die Erkrankung ausbricht.

Die Ursachen von Panikstörungen sind nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass genetische Faktoren, wie zum Beispiel eine gestörte Botenstoff-Aktivität in bestimmten Hirnregionen, oder eine psychologische Vulnerabilität, wie frühere Erfahrungen mit unvorhersehbaren und unkontrollierbaren Ereignissen, die Entstehung der Krankheit begünstigen. Insbesondere physiologische Vorgänge können unterschiedliche aktuelle Auslöser haben (körperliche Anstrengung, Kaffee-/Koffeinkonsum).

Ursachen einer Panikstörung auf einen Blick:

  • Traumatische Kindheitserfahrungen: häufiger Vernachlässigung, sexuellen Missbrauch, Verlust eines Elternteils, Alkoholmissbrauch der Eltern und Gewalt in der Familie
  • Belastungen im Erwachsenenalter: Scheidung vom Partner, Tod einer nahestehenden Person, Arbeitsplatzverlust, Partnerkonflikte, existenzielle Sorgen
  • Ängstlichkeit: Menschen mit einer erhöhten Ängstlichkeit durch genetische Vorbelastung und Erziehung.
  • Panikauslösende Substanzen: Alkohol, Koffein, Zigaretten und verschiedene Medikamente

Für viele Menschen kann es oftmals hilfreich sein in der Psychotherapie entsprechende Entspannungstechniken zu erlernen, um alltäglichen Stressquellen wie Ärger im Beruf, Konflikte in der Familie oder Leistungsdruck, besser begegnen zu können. So kann sich der Stress schwerer aufstauen und eine Entladung, in Form einer Panikattacke, findet seltener statt.
 
Modell (nach Schneider&Margraf, 2017):

Diagnose und Untersuchungen

Die Diagnose von Art und Ausmaß der psychischen Belastung und den krankheitsbezogenen Risikofaktoren erfolgt immer in enger Zusammenarbeit mit Ihrem behandelnden Arzt.

Bei einem Verdacht auf eine Panikstörung können Sie zunächst Ihren Hausarzt aufsuchen. Dieser wird ein Gespräch mit Ihnen führen und verschiedene Untersuchungen durchführen, um körperliche Ursachen der Beschwerden auszuschließen.

Eine Panikstörung hat alle folgenden Charakteristika: (a) Es sind eine einzelne Episoden von intensiver Angst oder Unbehagen, (b) Sie beginnen abrupt, (c) Sie erreichen innerhalb weniger Minuten ein Maximum und dauern mindestens einige Minuten, (d) sie stehen nicht in Zusammenhang mit besonderer Anstrengung oder gefährlichen Situationen, (e) Sie beziehen sich zudem nicht auf ein bestimmtes Objekt, wie beispielsweise bei einer Phobie, sondern treten in verschiedenen Situationen auf.

Für eine genaue Diagnose der Panikstörung nutzt der Arzt unterschiedliche Fragebögen wie die Hamilton-Angstskala (HAMA) oder die State-Trait-Anxiety-Inventory (STAI). Des Weiteren könnte der Therapeut für die Diagnose der Panikstörung stellen:

  • Erleben Sie gelegentlich Anfälle starker Angst?
  • Gibt es für die Angstanfälle einen bestimmten Auslöser?
  • Tritt die Angst gemeinsam mit körperlichen Symptomen wie Zittern, Atemnot oder Mundtrockenheit auf?
  • Haben Sie nach einem Angstanfall Angst vor weiteren Anfällen

Letztlich kann eine profunde Diagnose nur durch einen erfahrenen Arzt oder Psychotherapeuten gestellt werden. Sofern Sie den Verdacht haben, an einer Panikstörung zu leiden, sollten Sie unbedingt einen Arzt oder Psychotherapeuten aufsuchen.

Behandlung

Eine Panikstörung ist mit Hilfe von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten therapierbar. Neben einer medikamentösen Betreuung (1) empfiehlt sich vor allem die Kognitive Verhaltenstherapie (2) zur Behandlung der Agoraphobie. Als Alternative bietet sich die Psychodynamische Psychotherapie (3) an.
 
(1) Medikamentöse Behandlung
Zur medikamentösen Behandlung der Panikstörung werden hauptsächlich Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingesetzt. Diese Wiederaufnahmehemmer sorgen dafür, dass der Botenstoff Serotonin länger in der Zelle wirken kann.

Die Wirkung dieser Medikamente tritt allerdings erst nach etwa vierzehn Tagen ein und die Verträglichkeit des jeweiligen Medikaments ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Sie können bei manchen Menschen Übelkeit oder sexuelle Funktionsstörungen verursachen.

Falls die Gabe von SSRIs nicht erfolgreich war, können auch Benzodiazepine eingesetzt werden. Allerdings haben diese ein hohes Suchtpotenzial und können deshalb nur für kurze Zeit eingenommen werden.
 
(2) Kognitive Verhaltenstherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie hat sich unter den Psychotherapieverfahren als besonders wirksam bei Panikstörungen erwiesen. Bei dieser Therapie werden Denkmuster hinterfragt und bearbeitet und der Patient wird unterstützt, sich seiner Angst aktiv zu stellen. Allerdings muss sich der Betroffene im Rahmen dieser Therapie intensiv mit seinen Ängsten auseinandersetzen, um erfolgreich zu sein.

Der erste Schritt einer Therapie ist in der Regel die ausführliche Aufklärung des Patienten über die psychische Störung. Der Betroffene wird mit den typischen Merkmalen der Panikstörung vertraut gemacht. Bereits das Wissen darüber, dass viele Menschen unter denselben Beschwerden leiden und die körperlichen Symptome zur Störung dazugehören, nimmt etwas Angst.

Im nächsten Schritt wird der Patient willentlich aufgefordert, eine Panikattacke hervorzurufen. Es scheint zunächst etwas paradox, die gefürchtete Situation absichtlich herbeizuführen, aber diese Intervention erfüllt zwei wichtige Aufgaben.

Erstens: Der Patient hat zum ersten Mal die Kontrolle darüber, wann die Panikattacke einsetzt.

Zweitens: Er erfährt, dass die körperlichen Symptome alleine durch die Atmung ausgelöst werden können.

Im weiteren Verlauf der Therapie wird der Patient immer wieder mit seiner Angst konfrontiert. Die Konfrontation mit der Panik bezeichnet man in der Psychotherapie als Exposition.

Diese Konfrontation mit der Angst führt dazu, dass die Angst nach einer Weile von alleine absinkt. Panikattacken treten nicht mehr auf. Dieses Vorgehen wird mit viel Unterstützung und nach ausführlicher Vorbereitung schrittweise durchgeführt.
 
(3) Psychodynamische Psychotherapie
Bei der psychodynamischen Psychotherapie geht man davon aus, dass hinter der Panikstörung ein ungelöster Konflikt liegt. Eine Panikattacke kann zum Beispiel Ausdruck unterdrückter Gefühle sein, die nur durch die Angstanfälle zutage treten.

Dieser Konflikt wird in der Therapie mit dem Therapeuten aufgedeckt und gemeinsam bearbeitet. So kann die Angst im Laufe der Zeit bewältigt werden. Typische Beispiele für ungelöste Konflikte sind eine Trennung, unterdrückte Gefühle oder der Tod einer geliebten Person.

Im Laufe der Zeit werden die Panikattacken weniger, wenn der Patient erkennt, dass ungelöste Konflikte die eigentliche Ursache seiner Ängste sind.
 
Ein wichtiger Ansatzpunkt der Psychodynamischen Psychotherapie ist es, die Patienten in ihrer Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu stärken, indem der Therapeut aufzeigt, dass man die Panik beherrschen kann und ihr nicht hilflos ausgeliefert ist.

Ziele der Behandlung

  • Aufbau von Krankheitsverständnis und einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung
  • Psychoedukation zur Störung und Entwicklung eines individuellen Krankheitsmodells
  • Kognitive Therapie zur Modifikation angstauslösender Gedanken und Erkennen dysfunktionaler Kognitionen
  • Erlernen von Entspannungsverfahren (PMR, AT)
  • Exposition mit Reaktionsverhinderung in Verhaltensexperimenten
  • Rückfallprophylaxe

Neben der Therapie können auch Selbsthilfegruppen eine sinnvolle Unterstützung für Betroffene bieten. Außerdem können Sport, Entspannungsübungen und Achtsamkeitstraining gute vorbeugende Maßnahmen gegen Panikattacken darstellen. Im Folgenden gebe ich Ihnen 3 Tipps, wie Sie Ihre Angst stetig abbauen können.
 
1.) Entspannungsübungen
Atemübungen sind eine hervorragende Möglichkeit, die Zeit während einer Panikattacke zu überbrücken. Versuchen Sie langsam zu atmen und achten Sie vor allem auf das Ausatmen, denn dieses beruhigt den Körper. Sie können auch eine Tüte zur Hilfe nehmen. In der Tüte reichert sich Kohlenstoffdioxid an, sodass sich dessen Gehalt und der Säuregrad in Ihrem Blut wieder normalisiert.
 
2.) Gedanken steuern
Sie sind einer Panikattacke nicht hilflos ausgeliefert. Deshalb versuchen Sie während einer Panikattacke Ihre Gedanken zu steuern. Erinnern Sie sich daran, dass Sie beeinflussen können, wie sich die Angst entwickelt. Dabei ist von entscheidender Bedeutung, wie Sie die Situation bewerten. Anstatt von lebensbedrohlichen Ursachen auszugehen, versuchen Sie sich klarzumachen, dass die Symptome zwar unangenehm sind, Sie allerdings nicht in Lebensgefahr schweben.
 
3.) Stress meiden
Senken Sie ihr Stresslevel, d.h. gönnen Sie sich im Alltagsstress immer wieder kleine Ruhepausen. Schlafen Sie ausreichend und verzichten Sie auf Koffein. Auch Sport kann Ihnen helfen, Stress abzubauen, denn während der sportlichen Aktivität erleben Sie ähnliche körperliche Symptome wie bei Panikattacken: Das Herz schlägt schneller, die Atmung verändert sich. Sie gewöhnen sich mit der Zeit an diesen Zustand und bewerten die Symptome nicht mehr als lebensbedrohlich.

Häufigkeit

In Deutschland erkranken etwa 3-5 Prozent der Menschen in ihrem Leben an einer Panikstörung mit Panikattacken, wobei ca. 9% der Gesamtbevölkerung mindestens einmal eine Panikattacke erfahren haben. Diese beginnen meistens zwischen dem 16. Und 23. Lebensjahr, wobei Frauen von Panikstörungen doppelt so oft betroffen sind wie Männer.

Krankheitsverlauf und Prognose

Wie eine Panikstörung verläuft, hängt immer vom Einzelfall ab, oftmals aber wechseln sich Phasen erhöhter und niedriger Häufigkeit ab.

Vor allem in Verbindung mit einer Sozialen Phobien, wie zum Beispiel der Agoraphobie, kann die Panikstörung das Leben des Betroffenen stark einschränken. So kann es im Zuge der Erkrankung dazu kommen, dass Betroffene irgendwann ihr Haus aus Angst Manche Betroffene verlassen irgendwann das Haus aus Angst vor erneuten Angstanfällen überhaupt nicht mehr verlassen. Es manifestiert sich dann eine sog. „Angst vor der Angst“, die zu starken Depressionen führen kann.

Mithilfe einer Psychotherapie und Medikamenten, die die Angstreaktion erträglich machen, lässt sich eine Panikstörung ausgezeichnet behandeln. Bei etwa 75 Prozent der Patienten zeigt die Therapie einen langfristigen Erfolg. Entscheidend für den Erfolg ist aber, dass Sie sich rechtzeitig ärztliche Hilfe suchen, denn Unbehandelt bleiben Panikstörungen oft über Jahre bestehen.

Quellen & Lesetipps

  • Heinrichs: Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie, Hogrefe Verlag.
  • Schneider & Margraf: Agoraphobie und Panikstörung, Hogrefe Verlag.

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