Entspannungsverfahren

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Entspannungsverfahren

Neben einer Gesprächstherapie zur Behandlung verschiedener Störungsbilder kommen in einer Psychotherapie immer häufiger auch unterstützende Entspannungsverfahren zum Einsatz.

Als Entspannungsverfahren werden in der Verhaltenstherapie Techniken bezeichnet, die den Betroffenen helfen, mit oder ohne Anleitung einen körperlichen und psychischen Entspannungszustand herbeizuführen.

Gerade langfristige Belastungsphasen und anhaltender negativer Stress können die Grundanspannung für einen Menschen im Alltag steigern und so psychische Störungsbilder wie Angsterkrankungen, Depression oder somatoforme Störungen begünstigen.

Geeignete Entspannungstechniken können dem entgegenwirken, indem sie die Grundanspannung senken und das eigene Körpergefühl zu verbessern.

Autor: Marta Mustermann
Position: Psychologin
Aktualisiert: 29.04.2021

Inhaltsverzeichnis

Was sind Entspannungsverfahren?

Entspannungsverfahren sind (zu Beginn vom Therapeuten angeleitete) Übungen, die der Verringerung von körperlicher und geistiger Anspannung dienen. Entspannungsverfahren sind ein fester Bestandteil in der Behandlung psychischer Erkrankungen und werden in der Regel unterstützend neben der Therapie eingesetzt. Dabei ist zu beachten, dass Entspannungsverfahren eine Therapie niemals ersetzen!

Die anerkannten Entspannungsverfahren sind:

  1. Autogenes Training
  2. Progressive Muskelrelaxion nach Jacobson
  3. Biofeedback
  4. Imagination

Daneben gibt es zahlreiche Meditationsformen wie Yoga oder Zen, die ebenfalls entspannend wirken, jedoch nicht von unserem Angebot abgedeckt werden.

Wirksamkeit von Entspannungsverfahren

Die Studien der Cochrane- Wissenschaftlergruppe zeigen, dass Entspannungsverfahren eine erste Möglichkeit darstellen, depressive Symptome zu lindern. Besonders bei Menschen, die keine Medikamente nehmen möchten oder für die keine Behandlung infrage kommt.

Während einer therapeutischen Behandlung kann oftmals bereits bei der ersten Sitzung eine Entspannungsreaktion vom Patienten festgestellt werden. Allerdings können langfristige positive Auswirkungen nur durch regelmäßiges Üben erzielt werden.
 
Zu den positiven Auswirkungen zählen:

  • Verbesserte Selbstkontrolle in Stresssituationen
  • Erhöhte Achtsamkeit für körperliche Prozesse wie Nervosität
  • Entwicklung angemessener Abwehrreaktionen auf Belastungen

Durchführung von Entspannungsverfahren

Der typische Ablauf bei Entspannungsverfahren ist in drei Phasen untergliedert.

Phase 1: Therapeutische Anleitung und Unterstützung des Übungsablaufs. Die Übung wird zunächst eingeübt und vom Therapeuten beobachtet bzw. korrigiert. Dies dient dem Erlernen der korrekten Umsetzung.

Phase 2: Nun führt der Patient die Übungen eigenständig zu Hause durch. Dabei können zur Unterstützung CDs oder schriftliche Anleitungen verwendet werden, um einen schnellen Lerneffekt zu erzielen. Die Übungen sollten jeden Tag angewendet werden!

Phase 3: Zu guter Letzt soll der Patient das Erlernte in Problemsituationen gezielt einsetzen, um diese adäquat zu meistern.

Wichtig:

In jeder Phase werden Sie vom Therapeuten durch eine Vor- und Nachbesprechung unterstützt.

Die Übungssitzungen können sowohl in Einzel- oder Gruppentherapien angeboten werden und finden in der Regel zu Beginn ein- bis zweimal wöchentlich statt.

Die verschiedenen Entspannungsverfahren

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Entspannungsverfahren entwickelt, die unterschiedliche Ansätze verfolgen. Welches Verfahren für Sie das geeignete ist, lässt sich nur gemeinsam mit einem Therapeuten klären.

Dennoch zeigen wir Ihnen im Folgenden, welche Verfahren wir in unserer Praxis anbieten und wie der übliche Behandlungsablauf aussieht.

1. Autogenes Training (AT)

Das autogene Training wurde erstmals von Johannes H. Schultz (1884-1970) aus der Technik der Hypnose heraus konzipiert und ist eine Form der Autosuggestion – also eine Selbstbeeinflussung, um sich selbst in einen angenehmen und entspannten körperlichen und geistigen Zustand zu versetzen.

Die Idee dahinter ist die Annahme, dass Menschen bereits durch ihre Vorstellungskraft in der Lage sind, einen körperlichen und geistigen Entspannungszustand herzustellen. Hierbei werden im Rahmen des autogenen Trainings Vorstellungen, Zitate oder Redewendungen vom Patienten suggeriert, um so sein Unterbewusstsein zu erreichen.

In der einfachen Form werden zunächst vor allem durch Übungen das vegetative Nervensystem oder auch einzelne Organe angesprochen, um eine körperliche Entspannung einzuleiten, komplexere Übungen können auch das Verhalten selbst positiv beeinflussen. Dabei werden eine Reihe von Übungen nacheinander durchgeführt, um verschiedene Bereiche des Körpers und so einen ganzheitlichen Entspannungszustand zu erreichen.

Durchführung von Autogenen Übungen
Beim Autogenen Training führt der Patient die Übungen in einer speziellen Körperhaltung aus, der sog. „Droschkenkutscher-Haltung“ im Sitzen oder im Liegen.

Durch die mehrfache Wiederholung bestimmter Formeln wie zum Beispiel „Ich bin vollkommen entspannt“ werden dann die Gedanken und Vorstellungen gelenkt. Dabei lässt sich das Training in 2 Phasen untergliedern.
 
1. Phase: Die sog. Unterstufe dient der Beeinflussung von körperlichen Vorgängen. Zu den typischen Grundübungen gehören:

  • Wärmeübung: Diese soll dazu führen, dass sich zunächst ein Körperteil warm anfühlt und diese Wärme anschließend in den gesamten Körper ausströmt (Bsp.: „Der rechte Arm ist ganz warm“).
  • Atemübung: Diese soll sich ausgleichend auf die Atemfrequenz auswirken (Bsp.: „Atme ganz ruhig“).
  • Schwereübung: Ausgehend von einem Körperteil soll die Vorstellung der Schwere erlernt werden, diese Schwere dient der allgemeinen Beruhigung (Bsp.: „Der linke Arm ist schwer.“).
  • Herzübung: Diese soll den Herzschlag durch Konzentration beruhigen (Bsp.: „Das Herz schlägt ganz ruhig und gleichmäßig“).
  • Kopfübung: Durch Selbstvorstellung wird der Kopf kühl und klar (Bsp.: „Stirn angenehm kühl“).
  • Sonnengelfechtsübung: Die Gedanken richten sich auf eine Entspannung und Harmonisierung der Verdauungsorgane (Bsp.: „Sonnengeflecht strömend warm“).

2. Phase: Die sog. Oberstufe nutzt eine Wach-Traum-Technik. Hierbei entwickelt der Patient in seiner Vorstellung Bilder, die anschließend in sein Bewusstsein gelangen und so reflektiert werden. So entsteht eine vertiefte Selbsterkenntnis, die wiederum zur Konfliktbewältigung dienen kann.
 
Das Ziel des Autogenen Trainings ist es, durch eine konzentrierte Selbstbeeinflussung Anspannungszustände zu lösen und einen angenehmen Zustand körperlicher und psychischer Gelassenheit zu erreichen. Dies wirkt sich positiv auf Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Leistungsminderung und Schwächegefühlen

2. Progressive Muskelrelaxation (PMR)

Der amerikanische Physiologe Edmund Jacobson (1885–1976) gilt als der Begründer der progressiven Muskelentspannung. Dieses angeleitete Verfahren dient zur Entspannung von Muskelgruppen bzw. Körperpartien.

Durch die Anspannung ausgewählter Muskelgruppen und deren anschließende Entspannung, soll der Patient bewusst lernen, die Zustände von Anspannung und Entspannung zu unterscheiden.

Das dahinterliegende Prinzip ist es ein gezieltes Anspannen und Entspannen von einzelnen Muskeln und Muskelpartien zu erreichen. Durch dauerhaftes und regelmäßiges Anwenden dieser An- und Entspannung von Muskeln wird mit der Zeit eine spürbare Entspannung der Muskeln erzielt. Damit verbunden ist auch, dass innere Spannungen, wie zum Beispiel bei Erschöpfungszuständen oder Angststörungen, gelöst und ein verbessertes Körpergefühl beim Patienten erreicht werden können.

Durchführung der Progressiven Muskelrelaxation
Die Übungen werden im Liegen oder in einem Sessel ausgeführt. Dabei ist der Ablauf der einzelnen Übungen stets gleich; man spannt zunächst eine bestimmte Muskelgruppe an, um sich dann die Empfindungen – welche mit der Anspannung verbunden sind – bewusst zu machen. Der Patient arbeitet sich so Schritt für Schritt durch die einzelnen Muskelgruppen.

Typischer Ablauf einer Progressiven Muskelentspannung:

Phase 1: Spüren der ausgewählten Muskelgruppe (ca. 15 Sek.)

Phase 2: Anspannungsphase (ca. 5-8 Sek.)

Phase 3: Entspannung (ca. 20 Sek.)

Phase 4: Nachspüren (ca.15 Sek.)

Sowohl während des Anspannens als auch während des Entspannens wird die Aufmerksamkeit auf die mit der Muskeltätigkeit verbundenen Empfindungen gelenkt. In einer fortgeschrittenen Lernphase geht es dann ähnlich wie beim Autogenen Training darum, sich die mit dem „Loslassen“ verbundenen Empfindungen zu vergegenwärtigen – um auf diese Weise entspannen zu können.

Anwendungsbereich
Die Methode wird bei einer Vielzahl von psychischen und körperlichen Störungen zur unterstützenden Behandlung eingesetzt. Sie ist häufig Bestandteil der so genannten systematischen Desensibilisierung.

Der Patient bewältigt dabei seine Angst, indem er unter Einsatz der Entspannungsmethode schrittweise mit der Angst auslösenden Objekt oder der beängstigenden Situation konfrontiert wird.

Die Progressive Muskelrelaxation führt zu Ruhe und Gelassenheit. Sei wirkt ebenfalls gegen bestimmte Formen von Schlafstörungen und verbessert allgemein die Stressverträglichkeit.

3. Biofeedback

Beim Biofeedback erlernt der Patient – ähnlich wie beim autogenen Training – unbewusst ablaufende Prozesse im Körper gezielt wahrzunehmen und zu beeinflussen.

Dazu werden Sensoren am Körper angebracht, die zum Beispiel die Muskelspannung oder Aktivität der Schweißdrüsen über Oberflächenelektroden messen.

Der Patient bekommt nun auf einem Bildschirm ein „Feedback“ seines Zustands über die gemessenen Werte und kann dadurch die körpereigenen Abläufe nachvollziehen. Dadurch ist es ihm möglich die Reaktion seines Körpers auf negative Erinnerungen oder Stresssituationen „live mitzuerleben“, etwa den Anstieg des Blutdrucks oder die erhöhte Aktivität der Schweißdrüsen.
Nachdem der Patient den Zusammenhang zwischen äußeren Stressfaktoren und seiner Reaktion erkannt hat, muss er lernen, Einfluss auf seinen Körper zu nehmen. Dabei können ihm dann Entspannungstechniken helfen.

Das Biofeedback-Training kann bei psychosomatischen, psychischen und rein körperlichen Erkrankungen eingesetzt.
 
Beispiele dafür sind:

  • Migräne
  • Spannungskopfschmerz
  • Chronische Rückenschmerzen
  • Muskelverspannungen
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Harn- und Stuhlinkontinenz
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Epilepsien und andere Erkrankungen mit Krampfanfällen
  • Stressbedingte Erkrankungen wie Schlafstörungen, Tinnitus oder Reizdarm

Beim Biofeedback werden die Messgeräte außen am Körper angebracht, daher besteht kein spezielles Risiko für den Patienten. Es eignet sich somit auch gut für Kinder und Schwangere.

Wichtig:

Beim Biofeedback handelt es sich um eine alternative Therapiemethode, sie kann keine ärztliche Therapie ersetzen, sondern sollte vom Patienten lediglich als eine Ergänzung für eine Therapie angesehen werden.

4. Imagination

Bei der Imagination handelt es sich um Vorstellungsübungen mit inneren Bildern. Mithilfe von Imagination und Phantasie können emotionale Erfahrungen ermöglicht werden und Kreativität im Veränderungsprozess angeregt werden.

Der Patient wird bei der Imagination angehalten, sich eine bestimmte Szene oder einen Ort oder ein Geschehen vorzustellen. In der Regel geschieht dies gerade am Anfang unter Anleitung des Therapeuten.

Diese Vorstellungsverfahren sollen den Patienten dazu befähigen ein Erlebnis von Kontrolle zu erlangen und dadurch dem Aufbau einer alternativen Sichtweise auf das Problem gewährleisten als auch zur Einübung und Festigung von Bwältigungsfähigkeiten dienen

Mögliche Imaginationen:

  • wiederkehrende traumatische Erinnerungen
  • das Gefühl der Erschöpfung, Kraft- und Mutlosigkeit
  • das Nichtloslassenkönnen traumatischer Bilder und Erinnerungen

Diese Imaginationen bzw. Vorstellungsverfahre sollen den Patienten dazu befähigen ein Erlebnis von Kontrolle zu erlangen und dadurch dem Aufbau einer alternativen Sichtweise auf das Problem gewährleisten als auch zur Einübung und Festigung von Bwältigungsfähigkeiten dienen.

Risiken von Imaginationen
Imaginationen bzw. Imaginationsübungen sollten nicht bei Patienten mit einer starken seelischen Instabilität und starker Neigung zur Dissoziation angewandt werden. Hier besteht die Gefahr, dass der Patient in einen Zustand gerät, aus dem er allein nicht wieder herausfinden.

Gerade bei dissoziativen Zuständen mit dem Verlust des Gefühls für Raum und Zeit und die eigene Person kann das weitreichende Folgen haben. Wird ein Patient nach einer Imagination in solch einem dissoziativen Zustand entlassen, ist eine erhöhte Unfallgefahr ebenso gegeben wie die Gefahr, dass der Patient nicht weiß wo er sich befindet, nicht nach Hause findet und auch keine Angaben zur eigenen Person machen kann.

Ziel der Entspannungsverfahren

Das Ziel aller modernen Entspannungsverfahren ist die Unterbrechung der Spirale von negativem Stress und den damit verbundenen Störungen des körperlichen und seelischen Wohlbefindens.

Der Patient soll durch das Einüben einer Technik in die Lage versetzt werden, eigenständig und jederzeit eine Entspannung herbeizuführen.

Quellen und Lesetipps:

  • Kristiane Gierra, Norbert Klinkenberg: Entspannungsverfahren. In: Volker Köllner, Michael Broda (Hrsg.): Praktische Verhaltensmedizin. 2005.
  • Vaitl, Dieter; Petermann, Franz: Entspannungsverfahren (Hrsg.): Das Praxishandbuch. S. 5, BeltzPVU, 2004.
  • Kabat-Zinn, J. (2009): Gesund durch Meditation. Das große Buch der Selbstheilung. Frankfurt/M.: Fischer.
  • Ohm, D. (2007): Progressive Relaxation. Hörbuch Gesundheit. Stuttgart: TRIAS Verlag
  • Bohus, M.; Huppertz, M. (2006): Wirkmechanismen achtsamkeitsbasierter Psychotherapie. In: Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 54 (4), 265-276.
  • Husmann, B. (2010): Entspannung ist einfach – man muss sich bloß richtig anstrengen! Plädoyer für eine integrative „Deutsche Gesellschaft für Entspannungsverfahren (DG-E e.V.)“. In: Entspannungsverfahren Nr. 27, Lengerich: Pabst Sc. Publ., 10-46.
  • Ruhl, Hach, Wittchen: Entspannungsverfahren. In Klinische Psychologie & Psychotherapie, Springer.
  • Petermann, F.; Vaitl, D. (Hg. 2009): Entspannungsverfahren. Das Praxishandbuch. Weinheim, Basel: Beltz PUV.
  • Kirn, Echelmeyer, Engberding: Imagination in der Verhaltenstherapie, Springer.

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