Psychoedukation
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Psychoedukation
Der Begriff „Psychoedukation“ wurde in der Psychiatrie in den 1980er Jahren eingeführt. Sie basiert auf verhaltenstherapeutischen und gesprächstherapeutischen Prinzipen.
Unter Psychoedukation werden systematische, didaktisch-psychotherapeutische Interventionen verstanden, um Patienten und ihre Angehörigen über die Erkrankung und ihre Behandlung zu informieren, mehr Verständnis und den selbstverantwortlichen Umgang zu fördern und sie bei der Krankheitsbewältigung zu unterstützen. Dadurch soll eine mögliches Rückfallrisiko gesenkt und eine Verbesserung des Krankheitsverlaufs erzielt werden.
Die Psychoedukation zählt heute zu den Grundpfeilern der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung. In Deutschland wird Psychoedukation vor allem von Institutionen durchgeführt, diese Kurse werden als Info-Gruppe, Psychose-Gruppe, Angehörigen-Gruppe bezeichnet.
Autor: Marta Mustermann
Position: Psychologin
Aktualisiert: 29.04.2021
Inhaltsverzeichnis
Was ist Psychoedukation?
Der Begriff „Edukation“ ist abgeleitet von dem lateinischen Wort „educare“ – d.h. Patienten und Angehörige sollen aus dem Zustand der Unwissenheit und der Unerfahrenheit „herausgeführt werden“.
Psychoedukation ist dabei der Versuch, komplizierte medizinisch-wissenschaftliche Fakten so zu übersetzen, dass sie von betroffenen Patienten und deren Angehörigen gut verstanden werden.
Dadurch soll den Patienten und ihren Angehörigen geholfen werden, die wichtigsten Informationen über die Erkrankung und die erforderlichen Behandlungsmaßnahmen begreifen und nachvollziehen zu können.
Das Verstehen-Können der eigenen Erkrankung ist die Grundvoraussetzung für den selbstverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung und ihre erfolgreiche Bewältigung.
Wichtig:
Von der Teilnahme an einem Psychoeduaktionskurs in einer akuten Krankheitsphase ist abzuraten, da sowohl in einer Depression als auch in einer manischen Phase die nötige Konzentration fehlt.
Anwendungsgebiete der Psychoedukation
Psychoedukative Interventionen können sowohl im Einzel- als auch im Gruppensetting angeboten werden. Zur Vermittlung der Inhalte werden unterschiedliche Methoden wie beispielsweise Gruppendiskussionen, Rollenspiele und Verhaltensübungen eingesetzt. Neben den mündlich dargebotenen Vorträgen können auch Broschüren das Informationsangebot ergänzen.
Psychoedukation wird bei schweren, körperlich und psychisch belastenden Erkrankungen angewendet, Beispiele dafür sind:
- Depression
- Psychosen
- Manien
- Schizophrenie
- Soziale Ängste
- Essstörungen
- Konzentrations-, Denk- oder Aufmerksamkeitsstörungen sein
- Krebserkrankungen
- Diabetes
- Tinnitus
- Abhängigkeitserkrankungen
- AIDS
- Herzerkrankungen
Wichtig:
Psychotische und schizophrene Krankheitsbilder stellen eine besondere Herausforderung dar, weil hier sehr häufig die Einsicht in die Notwendigkeit von Therapie überhaupt und in die Krankheitsdynamik fehlt.
Verfahren und Inhalte der Psychoedukation
Im Sinne der Definition von Psychoedukation werden verschiedene Techniken und Verfahren aus fast allen Bereichen der Psychotherapie angewendet.
Am Beginn einer Therapie geht es vor allem um Informationsvermittlung über die Krankheit und über die Therapiemöglichkeiten. Bei den Interventionen wird auf ein Gleichgewicht von Theorie über die Krankheit und der subjektiven Sicht des Patienten geachtet.
Inhalte der Psychoedukation:
- Aufklärung über Symptome und Verlauf der Erkrankung
- Erklärung der Zusammenhänge von Neurobiologie und Psyche
- Besprechung der Diagnose, Identifizierung der Ursachen der Erkrankung
- Besprechung der Therapiemöglichkeiten (medikamentöse Behandlung, psychosoziale Behandlung, Psychotherapie)
- Warnzeichenerkennung für eine drohende Verschlimmerung der Erkrankung.
- Planung von Krisenintervention bei eintretender Verschlechterung
- Schulung der Angehörigen im Umgang mit der Krankheit
- Einführung in Stressbewältigungsprogramme
- Ausblick in die Zukunft
- Ursachen (Vulnerabilitäts-Stress-Modell)
- Selbsthilfestrategien (Gesundheitsverhalten, Früherkennung, Krisenmanagement)
- Emotionale Entlastung
- Angstreduktion (Stigmatisierung, Chronifizierung)
- Trauerarbeit (Adaption der Lebensperspektive)
- Entlastung von Schuld- und Versagensgefühlen
- Erfahrungsaustausch mit anderen
- Kontakt mit Schicksalsgenossen
- Kontaktaufnahme mit Selbsthilfegruppen
- Mut und Hoffnung geben
Psychoedukationsmaßnahmen können sowohl in Einzelsitzungen mit den Patienten und Familienangehörigen als auch in einer Gruppensitzung durchgeführt werden. In der Regel wird ein Curriculum von acht Sitzungen empfohlen
Zielsetzung von Psychoedukation
Wesentliches Ziel der Psychoedukation ist es, den Patienten ein besseres Verständnis ihrer Erkrankung zu vermitteln. Die Patienten können sich neues, wissenschaftlich fundiertes Wissen bezüglich der Störung, an welcher sie leiden, aneignen.
Dieses Grundverständnis für die Hintergründe ihrer Erkrankung, wirkt für den Patienten entlastend und hilft ihm diese Probleme zu bewältigen. In der Regel tritt durch das bessere Verstehen der Krankheit ein sog. Behandlungsoptimismus auf, der die Therapiemotivation und die eigenverantwortliche, aktive Mitarbeit des Patienten stärkt.
Konkrete Ziele:
- Umfassende Information der Patienten und der betroffenen Familien über die Erkrankung, deren Verlauf und Ursache sowie der Therapiemöglichkeiten
- Erläuterung der Therapieprinzipien
- Verbesserung von sozialen Fertigkeiten
- Verbesserung der Stressbewältigung
- Rückfallprophylaxe
- Emotionale Entlastung der Betroffenen und ihrer Familien
- Verkürzung der Krankheitsdauer
- Linderung der Symptome
- Verminderung der Rückfallhäufigkeit
- Förderung der Zuversicht und Kompetenz des Patienten, die eigenen Probleme bewältigen zu können
Das vertiefte Verständnis lässt die notwendigen Therapiemaßnahmen effektiver und wirkungsvoller werden. Somit können die Patienten selbst, als auch ihre Angehörigen Rückfälle vermeiden und ihre Lebensqualität wesentlich verbessern.
Wichtig:
Ohne den Aufbau eines klaren Krankheitsverständnisses mit daraus resultierender Krankheitseinsicht wird die langfristige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit professionellen Hilfesystemen mangelhaft bleiben.
Organisatorischer Rahmen für Betroffene und Angehörige
Die Patientengruppen finden in der Regel ein- bis zweimal wöchentlich statt. Sie sind grundsätzlich für alle Patienten offen, auch für solche, die sich das erste Mal mit einer psychiatrischen Diagnose konfrontiert sehen.
Angehörigengruppen werden in der Regel 14-tägig abends durchgeführt. Auch diese sind grundsätzlich für alle Angehörigen offen. Bei einer Ersterkrankung müssen die Therapeuten allerdings vor dem gezielten Ansprechen der Angehörigen die Patienten um ihr Einverständnis bitten, da die Einladung in eine krankheitsbezogene psychoedukative Gruppe einer indirekten Diagnosemitteilung gleichkommt.
Die Leitung der Gruppen wird von Ärzten und Psychologen übernommen, als Ko-Leiter haben sich Sozialpädagogen, Mitglieder des Pflegepersonals oder auch Mitarbeiter aller anderen Berufsgruppen bewährt.
Quellen und Lesetipps
- Behrendt B, Schaub A: Handbuch Psychoedukation und Selbstmanagement: Verhaltenstherapeutische Ansätze für die klinische Praxis.
- Rummel C, Pitschel-Walz G, Kissling W: Angehörige informieren Angehörige“-Angehörige als Gruppenleiter für psychoedukative Gruppen bei Schizophrenie. Psychiat Prax 2005; 32: 87-92.
- Wolfisberg N: Psychoedukation. Seminar: Schizophrenie: Intervention 28.April 2009.
- Rabovsky K, Stoppe G: Diagnoseübergreifende und multimodale Psychoedukation: Manual zur Leitung von Patienten- und Angehörigengruppen. Urban & Fischer Verlag 2008.
- Bäuml, J.; Behrendt, B.; Henningsen, P.; Pitschel-Walz, Gabi (Hg.) (2016): Handbuch der Psychoedukation für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin. Schattauer Verlag.
- Bäuml, J.; Pitschel-Walz, G.; Berger, H.; Gunia, H.; Juckel, G.; Heinz, A. (2010): Arbeitsbuch PsychoEdukation bei Schizophrenie (APES). Schattauer Verlag, 2. Auflage.
- Bäuml J.; Baumgärtner, J.; Froböse, T.; Gsottschneider, A.; Keller, Z.; Lüscher, S.; Scherr, M.; Pitschel- Walz, G.; Jahn, T. (2012): Partizipationsverhalten schizophren erkrankter Patienten in Psychoedukationsgruppen: Erste Ergebnisse mit dem Teilnahmequalitätsbogen. In: Psychotherapeut, Vol. 57; 4. S. 301 – 312
- Behrendt, B.; Schaub, A. (2005): Handbuch Psychoedukation und Selbstmanagement. dgvt-Verlag.
- Jensen, M.; Hoffmann, G.; Spreitz, J.; Sadre Chirazi-Stark, F.M (2014): Diagnosenübergreifende Psychoedukation Ein Manual für Patienten- und Angehörigengruppen. Psychiatrie Verlag, 2. Auflage.
- Wienberg, G. (Hg.) (2003): Schizophrenie zum Thema machen – Psychoedukative Gruppenarbeit mit schizophren und schizoaffektiv erkrankten Menschen – Grundlagen und Praxis. Psychiatrie Verlag, 3. Auflage.
- Mühlig: Compliance: Formen und messmethodische Fragen. Praxis–Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 17(65), 45-52.
- Mühlig, Jacobi: Psychoedukation. In Klinische Psychologie & Psychotherapie (pp. 477-490), Springer.
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